Montag, 10. März 2014

RAQUEL - Raquel

(Metal Mayhem, ca. 2000)

Es ist doch interessant zu wissen, dass mancher Nu-Metaller tatsächlich eine „haarige“ Vergangenheit vorzuweisen hat. So auch Producer Toby Wright, der einige Jahre vor seiner Arbeit mit Alice In Chains oder Korn wirklich exzellente Hair Metal Arbeit abgeliefert hat.

Genau so wie im hier vorliegenden Fall der Band Raquel, die Anfangs der 90er im Osten der USA – hoffentlich – für Furore sorgten. Der Opener des selbstbetitelten Albums jedenfalls wurde ausgiebig in einem MTV Werbespot verwendet: „Pop Goes The Music“ hat definitiv alles, was der geneigte Fan von einer Midtempo Nummer im Winger-, und Warrant-Stil zu erwarten vermag.

Etwas schneller geht es mit „Love Don’t Go“ weiter, einem Rocksong mit dezenten Country- und Americanaeinflüssen, der durchaus auch Jimmy Barnes oder einem etwas härter gesinnten Eddie Money stehen würde.

Das folgende „Dark City“ klingt wie ein zu Unrecht unveröffentlichter Song auf Thunder’s ‚Laughing On Judgement Day’ Album, „Everywhere I Go“ passt nahezu in die gleiche Ecke, trägt mit seinen Akustikgitarren aber noch einen dezenten Roxy Blue Einfluss zur Schau.

Einen echten Hair-Cocktail an Einflüssen verarbeiten Raquel im etwas poppigeren Song „Angel“, der nach einer an Extreme erinnernden Strophenmelodie in einen Nelson-esquen Refrain mündet, flankiert von zwei sich ergänzenden Rhythmusgitarren – wie man es von einer Band mit zwei Gitarristen erwarten darf, Ihr Scandi-Sleaze-Kids da draußen...

„Darlin’“ ist wieder ein melodisches mit Akustikgitarren versehenes Stück, das man sich einerseits von den Little Angels vorstellen, zum anderen aber auch dem heutigen Ted Poley zuordnen könnte. Mit „Kiss Her Goodbye“ haben wir wieder einen schnelleren Song aus der Eddie Money Ecke vorliegen, der allerdings in sehr roh klingender Demofassung vorliegt und den Leadgesang des sonst sehr guten Ron English gelegentlich leicht daneben erscheinen lässt.

Ähnlich ungeschliffen klingt das etwas behäbige „Take Me Down“, ehe das Album mit „J.G.W.“ (oder „1.G.W.“ für ‚One Good Woman’?) seinen Abschluss findet. Hier präsentieren Raquel noch einmal ihre rockige Seite mit Riffs im AC/DC Stil.

Zusammenfassend würde ich den vorliegenden Longplayer als sehr melodisches Album bezeichnen, das sich fernab heutiger Shouter-Songs aufhält, hier und da einen dezenten Countryeinfluss offenbart, gelegentlich etwas ungeschliffen klingt und durchgehend handwerklich einwandfreie Leistung vorweist, wobei hier insbesondere die Gitarrenarbeit und der Chorgesang hervorstechen.

Für Freunde von Eddie Money, Little Angels und Thunder sicherlich ein interessantes Futter, und auch Fans von Warrant und Winger werden besondere Freude am Opener haben, der, zugegeben, etwas aus der Reihe fällt.

Julian Angel

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Julian Angel ist Mastermind der deutschen Hair Metal Band Beautiful Beast, deren drittes Album ‚Kick Down The Barricades’ am 24. Januar 2014 erschienen ist.
www.beautifulbeastrock.com
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