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Mittwoch, 15. Juni 2016

VAN WILKS - Bombay Tears (Re-Release)

Band: Van Wilks
Album: Bombay Tears (Re-Release)
Spielzeit: 57:31 min
Stilrichtung: AOR
Plattenfirma: Rock Candy Records Records
Veröffentlichung: 11.05.2016

Der Gitarrist / Sänger VAN WILKS ist jetzt vielleicht nicht unbedingt das, was man unter einem "Household Name" versteht. Ein kleine Suche im Netz fördert allerdings eine beeindruckende Liste an Veröffentlichungen zu Tage, an denen der Mann aus dem staubigen Texas beteiligt war. Wobei die Verortung im schönen Western Staat der USA schon ein wenig über die stilistische Ausrichtung der Band um den Kreativkopf an den 6 Saiten erahnen lässt. Berühmte(re) Kollegen wie z.B. Eric Johnson oder Billy Gibbons (ZZ Top) verbanden, ähnlich wie VAN WILKS, bluesige Töne mit einem hochmelodischen Ansatz und liessen sich, zumindets was ihre Fähigkeiten auf Ihrem Instrument anging, nie auf ein Genre festnageln. VAN WILKS Debüt, dass nun über Rock Cady Records zum ersten mal überhaupt auf CD erscheint, strahlt einen ganz besondren Charme aus und setzt sich zuweilen so ziemnlich zwischen alle Stühle.

Während Songs wie "1959" oder "Juvenile Licks" mit einigem Elan nach vorne rocken, sind ein Grossteil der Songs eher tiefenentspannt und leben in erster Linie von dem tollen Gespür für Melodien - sowohl was den Gesang als auch die Gitarrenparts angeht. Das im, wie bei Rock Candy gewohnt ausführlichen, Booklet erwähnte lobende Statement von Käpt`n Langbart Billy Gibbons zu VAN WILKS Fähigkeiten an der Gitarre ist nicht untertrieben. Dabei bleibt er aber stets songorientert, lässt seine Soli nie in ausufernde Selbstbeweihräucherung ausarten und kann mit so mancher kleveren Soundtrickserei für willkommene Farbtupfer sorgen (siehe das Intro zu "Danger In The Dark"). Der kleine Haken an dieser ansonsten recht makellosen Scheibe sind dann die nicht wirklich zupackenden Hooklines. Die Platte läuft herrlich unangestrengt ins Ohr rein, kann beim Zuhören begeistern, hinterlässt aber leider keinen bleibenden Eindruck. Auch nach mehrmaliger Einfuhr ist kein Track hängengeblieben, den ich vor mich hin gepfiffen hätte.

Als vergessenes Kleinod, bisher nur wenigen Eingeweihten ein Begriff, hat die Debüt Scheibe von VAN WILKS und seinen Mannen es durchaus verdient von AOR, Melodic Rock, West Coast und Blues Rockern gleichermassen entdeckt zu werden. Dass "Bombay Tears" nie zu einem vertiablen Klassiker wurde hat zwar unter anderem seine Gründe in dem etwas schaumgebremsten Sound und dem Nichtvorhandensein eines zwingenen Hits. Da hier aber handwerklich klasse Musiker mit Herzblut am Werke waren ist das Ergebnis eine lohnenswerte Investition für Raritätensammler. Nicht unerwähnt sollte dabei auch die als Bonus enthaltene "Boystown" EP sein, die ein weiteres kräftiges Kaufargument für Fans und Sammler sein dürfte. Die wertige Aufmachung des Rock Candy Labels tut ihr übriges dazu.

WERTUNG




Trackliste:

01. Danger In The Dark
02. 1959
03. Travelin'
04. Juvenile Licks
05. De La Coupole La Mer Pleure
06. Bombay Tears
07. Can't Cry Anymore
08. Sirens In The Night
09. Eyes Like Lightning
10. Older Than You Know
11. Living On Borrowed Time
12. Boystown (Bonus Track)
13. Street Legal (Bonus Track)
14. Never Say No (Bonus Track)
15. Small Town Girl (Bonus Track)


Mario

Montag, 14. September 2015

HORISONT - Odyssey

Band: Horisont
Album: Odyssey
Spielzeit: 62:25 min.
Stilrichtung: Classic Rock
Plattenfirma: Rise Above Records
Veröffentlichung: 18.09.2015
Homepage: www.horisontmusic.com

Einfach ist sie nicht, die Musik von HORISONT. So viel steht fest! Aber wer auch ernsthaft damit gerechnet? Immerhin zählen DEEP PURPLE, BLUE OYSTER CULT oder JETHRO TULL zu den großen Einflüssen der Schweden. Deren Werke waren zwar schlussendlich zwar massenkompatibel, der Durchschnittshörer hatte aber auch schon seinerzeit so seine Probleme mit den ausufernden Instrumentalpassagen und opulenten Kompositionen, die nicht selten derart überlang geraten sind, dass ein Radioeinsatz nur schwer möglich war. Genau das greifen HORISONT seit ihrer Gründung im Jahre 2006 auf und setzen mit ihrem vierten Werk „Odyssey“ ein Ausrufezeichen hinter ihre ohnehin schon beeindruckende Karriere. Zwar wird das Quartett eher im Untergrund verehrt als in den Chartlisten notiert, das könnte sich mit „Odyssey“ aber ändern.

Aufgenommen im Studio Kust in Götheborg unter der Regie von Henrik Magnusson haben Sänger Axel Söderberg, Gitarrist Charlie Van Loo, Bassist Magnus Delborg, Schlagzeuger Pontus Jordan und Neuzugang Tom Sutton (Ex-Gitarrist von CHURCH OF MISERY) vieles live eingespielt. Das ist bei der Komplexität von Songs wie dem 10-minütigen Titeltrack, der das Album eröffnet, durchaus bemerkenswert. Überhaupt ist dieser Opener ein Highlight, nicht nur in der Disco von HORISONT. Wo andere Bands mit Schmackes loslegen, legen die Schweden den Grundstein für die Geschichte, die sie auf der neuen Platte erzählen wollen. Irgendwo zwischen alten Hippie-Sounds und progressivem Siebziger-Rock machen die fünf ein gehöriges Fass auf.

Gleich danach folgt mit „Break The Limit“ jene Single, die schon seit November letzten Jahres für Furore sorgt. Ist das Cover dieser Single als grobschlächtiges Wikingermotiv angesetzt, ist der dazugehörige Videoclip (HIER) eine Hommage an die guten alten Videozeiten der Achtziger. Ob man das nun stimmig findet oder nicht – der Song ist eine Wucht. Mit seinen THIN LIZZY-Gedächtnisleads und der explosiven Stimmung genau die richtige Antwort auf den eher gediegenen Eröffnungstrack. Nicht weniger grandios geht es weiter: Stücke wie der Rocker „Blind Leder Blind“, das mitreißende „Bad News“, das schleppende „The Night Stalker“ oder das gefühlvolle „Beyond The Sun“ sind erstklassig – wenngleich auch nicht einzigartig. Wem das noch nicht genügt, der sollte sich den locker-flockigen Rock´n Roller „Red Light“ oder das harte „Städer Brinner“ anhören.

Bei HORISONT ist alles retro – angefangen vom Konzertflyer (übrigens sind die Jungs mit ihren Landsleuten KADAVAR im November und Dezember auf großer Fahrt durch Europa) über Cover-Artworks, die Homepage (die ganz im Stile alter Science-Fiction Comics steht) über das Outfit der Musiker bis hin zu Aufnahmeprozessen und natürlich der Musik selbst. Was aber noch viel wichtiger ist, der Fünfer macht das mit einer solchen Hingabe, dass man sich ernsthaft gut und gerne mal 50 Jahre zurückversetzt fühlt. „Odyssey“ ist ein grandioses, breitbeiniges Tondokument, das zeigt, wie aufregend Classic Rock auch ein halbes Jahrhundert nach den Hochzeiten derartiger Sounds klingen kann.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Odyssey
2. Break The Limit
3. Blind Leder Blind
4. Bad News
5. Light My Way
6. The Night Stalker
7. Flying
8. Back On The Streets
9. Beyond The Sun
10. Red Light
11. Städer Brinner
12. Timmama

Stefan

Montag, 7. September 2015

THE SUMMIT - Higher Ground

Band: The Summit
Album: Higher Ground
Spielzeit: 39:36 min.
Stilrichtung: Classic Rock
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 04.09.2015
Homepage: www.jointhesummit.com

Mit dem neuen Album von MICHAEL BORMANN (Rezi HIER) begann die Arbeit von Pride & Joy Music, einem neuen Label aus Deutschland. Das war bereits im Mai. Für Juli und August standen erstmal einige Single-Releases an und ab September holt die neue Company zum Rundumschlag aus. Neue Platten von FREE FROM SIN, BLACK MAJESTY oder SEBASTIEN (Reviews folgen) stehen ebenso an wie ein Album der schwedischen Band THE SUMMIT. Bei diesem Namen werden erst einmal alle mit den Schultern zucken, wenn allerdings Musiker wie Mats Karlsson oder Björn Höglund ins Spiel kommen, sieht die Sache vielleicht wieder anders aus. Karlsson, seines Zeichens Gitarrist von 220 VOLT, deren Frühwerk zu den Highlights der Scandi-Szene gehört, hat jüngst den dritten Anlauf mit dem Album „Walking On Starlight“ (Rezi HIER) hinter sich – da es aber besser ist, nebenbei das ein oder andere Süppchen extra auf dem Herd zu haben, gründete er mit Höglund, dem Ex-Schlagzeuger von EASY ACTION, diese Combo. Zusammen mit Michael Klemmé (vocals, guitars) und Lars Ericsson (bass) sind sie THE SUMMIT.

Die Gründung liegt nun schon vier Jahre zurück. Für Ihr Erstlingswerk „Higher Ground“ hat sich das Quartett also Zeit gelassen. Aber irgendwie auch doch nicht, denn eigentlich liegen die Aufnahmen schon seit 2012 „herum“. Im Januar gleichen Jahres begann das Songwriting und bereits im April standen die Aufnahmen für „Higher Ground“ an. Heraus gekommen sind 11 moderne Classic-Rock Songs, von denen 10 auf dem Album gelandet sind. In Schweden wurde die Platte bereits im letzten Jahr veröffentlicht, jetzt kommt auch der Rest Europa´s in den Genuss. Ebenfalls seit letztes Jahr ist ein zweites Album in der Mache, konzentrieren wir uns aber vorerst auf das Debüt:

Mit „Turn It Off“ starten die Schweden mit einer explosiven Mischung. Der beschriebene Bastard aus Moderne und 70´s Spirit trifft den Nagel wohl voll auf den Kopf. Das folgende „W.O.W. („Walking On Water“) fällt da schon melodiöser aus, nicht ohne die kräftige Würze des Openers zu unterstreichen. In feinster SUPERTRAMP-Manier lassen die Schweden mit „One Way Highway“ einen richtig guten Boogie-Rocker von der Leine. Entspannte Songs wie „Circle The Sun“ oder „Only Human unterstreichen die Radiotauglichkeit des Schweden-Vierers. Wer es gerne etwas rockiger hat, wird neben dem Einstiegs-Duo Gefallen an „Water To Wine“ oder dem Titeltrack finden. Das Anfangsriff von „The Calling“ erinnert ein wenig an „Children Of The Revolution“ von T-REX, dieser Querverweis kommt wohl nicht von ungefähr.

Das Schöne an „Higher Ground“ ist, dass THE SUMMIT nicht versuchen auf den Retro-Zug aufzuspringen. Sie spielen eine moderne Version dessen, was unzählige neue Bands heute aus den Siebzigern transferieren und ihr Eigen nennen. Spielerisch natürlich auf erstklassigem Niveau mit blitzsauberer Produktion versehen. Bei der Fülle an neuen Produkten alleine aus Schweden hoffe ich natürlich, dass sich THE SUMMIT damit durchsetzen können. Der Anfang ist gemacht...

WERTUNG: 






Trackliste:

1. Turn It Off
2. W.O.W.
3. One Way Highway
4. Circle The Sun
5. The Calling
6. Only Human
7. Water To Wine
8. Not My Country
9. The Higher Ground
10. All Die Young

Stefan

Mittwoch, 26. August 2015

BLACK TRIP - Shadowline

Band: Black Trip
Album: Shadowline
Spielzeit: 41:53 min
Stilrichtung: Heavy Metal / Classic Rock
Plattenfirma: Steamhammer / SPV
Veröffentlichung: 28.08.2015
Homepage: www.blacktrip.se

Die Veröffentlichung des BLACK TRIP Debüt Albums ist noch gar nicht so lange her (siehe Rezi HIER) und schon kommt das gemischte schwedische Quintett mit einer neuen Scheibe um die Ecke. Produziert wurde "Shadowline" von Nicke Andersson (Entombed, Hellacopters, Imperial State Electric) in dessen ´The Honk Palace` Studio und die Jungs haben es tatsächlich geschafft dem guten Vorgänger einen mehr als ebenbürtigen Nachfolder zur Seite zu stellen. Wenn Sänger Joseph Tholl (auch zusammen mit Drummer Jonas Wikstrand bei den Speedern Enforcer tätig) im Promo-Text davon erzählt, dass die Truppe um die beiden ehemaligen Nifelheim-Gitarristen Peter Stjärnvind und Sebastian Ramstedt in den vergangen 2 Jahren als Einheit zusammengewachsen ist und zu einer eigenen Identität gefunden hat, dann ist das nicht nur das übliche Geschwätz sondern zur Abwechslung auch mal die (hörbare) Wahrheit. "Shadowline" ist ein in so ziemlich allen Belangen verbessertes Album, das immer noch von der Mischung aus Thin Lizzy Huldigung und Iron Maiden Verneigung angetrieben wird und im Vergleich zu den zahlreichen Konkurrenten einen ausdrücklichen Vorteil in der Hinterhand hat: packende, griffige Songs - mit Hooklines und nachvollziehbaren Arrangements.

Vom flotten Opener "Die With Me", über die begnadeten Ohrwürmer “Shadowline” und „Subvisual Sleep“ bis zum beinahe schon hipp swingenden “Berlin Model 32” können BLACK TRIP auf ganzer Linie überzeugen. Und ganz nebenbei dient „Shadowline“ mal wieder als perfekter Beweis dafür, dass knapp 42 Minuten satt und genug für ein Album sind (2 Scheiben auf eine 90er Kassette, erinnert sich noch jemand?). Einziges Haar in der Suppe sind die etwas belanglosen Gitarrensoli die ganz nett aber auch recht uninspiriert sind. Als Entschädigung gibt es (für schwedische Retro-Combos eigentlich ungewohnt) einige Variationen in den Gitarrensounds und Tholl hat im Vergleich zum Debüt nochmals ordentlich an Profil zugelegt.

Konnte das Debüt bei mir zwar durchaus ein paar erfreuliche Runden im Player drehen, so hinterliessen BLACK TRIP mit ihrem Erstling noch nicht den bleibenden Eindruck. Das hat sich nun mit „Shadowline“ grundlegend geändert, denn die Band hat einen grossen Schritt nach vorne gemacht und ein schlicht grandioses Stück Rock vorgelegt. Antesten unbedingt empfohlen!

WERTUNG:





Trackliste:

01. Die With Me
02. Danger
03. Shadowline
04. Berlin Model 32
05. Over The Worldly Walls
06. Clockworks
07. Rooms
08. Subvisual Sleep
09. Sceneries
10. The Storm
11. Coming Home

Mario

Mittwoch, 12. August 2015

YEAR OF THE GOAT - The Unspeakable

Band: Year of the Goat
Album: The Unspeakable
Spielzeit: 52:37 min
Stilrichtung: Occult / Psychedelic Rock
Plattenfirma: Napalm Records
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.facebook.com/yearofthegoat

2012 schlug das Debüt der Schweden von YEAR OF THE GOAT hohe Wellen, nicht wenige wählten die Scheibe auf Platz 1 ihrer Jahrescharts. Nach der "The Key and the Gate" EP vom letzten Jahr gibt es nun den heiß erwarteten zweiten Langspieler "The Unspeakable". Labeltechnisch hat man Ván Records den Rücken gekehrt und sich unter dem Napalm Records Dach neu aufgestellt.

Musikalisch ist alles beim Alten geblieben, der Sound wurde nur weiter verfeinert. Und YEAR OF THE GOAT ziehen nach wie vor ihr Ding durch. Die wenigsten Bands würden ein recht progressives Stück mit fast dreizehn Minuten Spielzeit als Opener einsetzen. Doch "All He Has Read" ist eine dermaßen starke und abwechslungsreiche Nummer, dass die Zeit wie im Flug vergeht. "The Emma" ist das nächste Highlight, düster und geheimnisvoll schwärt die Nummer aus den Boxen. Bei "Vermin" drängen die Gitarren in der Vordergrund, es wird flotter und man kann nicht anders als bei dem treibenden Beat mit dem Fuß zu wippen. "The Wind" wartet mit einer interessanten Gothic Rock Note auf, ohne sich allzu weit von den Classic Rock Wurzeln zu entfernen. Hier sind Musiker am Werk, die keine Schranken kennen, aber immer einen roten Faden im Kopf haben. Ganz starke Nummer!

Auf "The Unspeakable" gibt es die volle Breitseite an Emotion und Vielseitigkeit zu hören: progressive Elemente wechseln mit psychedelischen Momenten, mal wird es düster und melancholisch, mal verträumt und dann wieder richtig rockig. Ausflüge in Doomgefilde inbegriffen. YEAR OF THE GOAT beweisen mit ihrem zweiten Langspieler, dass sie keine Eintagsfliege sind und sich locker gegen die große Masse der Retro-Kapellen durchsetzen können.

WERTUNG:






Trackliste:

01. All He Has Read
02. Pillars Of The South
03. The Emma
04. Vermin
05. World Of Wonders
06. The Wind
07. Black Sunlight
08. The Sermon
09. Riders Of Vultures

Chris

Montag, 3. August 2015

DIAMOND DOGS - Quitters & Complainers

Band: Diamond Dogs
Album: Quitters & Complainers
Spielzeit: 38:54 min. + 69:51 min.
Stilrichtung: Rock
Plattenfirma: Livewire
Veröffentlichung: 14.08.2015
Homepage: www.facebook.com/diamonddogs  

Es gibt was zu feiern! Und zwar die zehnte Langspielplatte der Rock´n Roller DIAMOND DOGS. Seit 1992 treiben die Schweden nun schon ihr Unwesen. Kaum zu glauben, dass sie bisher nicht über den Geheimtipp-Status hinausgekommen sind. Traurig aber wahr. Dennoch liefert das Quintett in regelmäßigen Abständen gute Musik ab. Wem die QUIREBOYS auf ihrem aktuellen Output zu akustisch agieren, für den steht das „Quitters & Complainers“ betitelte Werk in den Startlöchern. Fakt ist, dass die Musik der DIAMOND DONGS den QUIREBOYS in den letzten Jahren immer ähnlicher wurde – die langjährige Erfahrung hat den Schweden wohl einiges an Gelassenheit angedeihen lassen. Und so präsentiert sich die Band auch auf diesem Silberling in absolut bestechender Form. War der Vorgänger „Set Fire To It All“ (Rezi HIER http://rock-garage-magazine.blogspot.de/2012/03/diamond-dogs-set-fire-to-it-all.html) ein gefundenes Fresschen für alle Rock´n Roll Fans, steht dem auch das neue Werk in nichts nach. Und mehr noch, zur Feier des Tages wird dem geneigten Fan obendrein noch eine randvoll bepackte Live-CD „geschenkt“. Aber dazu später mehr...

„Runaway Romeo“ steigt mit coolem Riffing und tollem Honky Tonk Piano ein. So herrlich kann altmodischer Rock´n Roll klingen. Mit „Alright, Alright, Alright“ ist den DIAMOND DOGS sogar ein weiterer kleiner Hit gelungen. Hier ist der Ohrwurm vorprogrammiert! Auch „Stop Barking Up The Wrong Tree“, „Silver Star Delight“ oder „Black Ribbons (For Magic)“ gehören zum Besten, was diese Band bisher aufgenommen hat. Aber auch die Schweden haben ihre ruhige Seite entdeckt. Melancholisch und mit viel Gefühl zelebrieren sie Balladen wie „Broken“ oder „Goodbye Troubled Soul“ - Gänsehaut garantiert! Und auf eine Nummer wie „Out Of My Heart“ wären selbst die großen Helden der Skandinavier stolz.

Wer auf lässigen Rock´n Roll im Stile der FACES, alter ROLLING STONES und Konsorten steht, wird neben den QUIREBOYS sicher mit den DIAMOND DOGS eine weitere Lieblingsband für sich entdecken können. „Quitters & Complainers“ reiht sich ein in eine bemerkenswerte Diskographie, die leider viel zu wenige Leute kennen. Die Schweden sind und bleiben wohl eine sträflich unterbewertete Rockband, die dieses Schicksal allerdings nicht alleine schultern müssen. Leid tut es mir für die Jungs dennoch...Ach ja, es war ja auch noch die Rede von einer Live-Bonus-CD. Dieses 18 Songs umfassende Spektakel wurde in Bilbao aufgenommen und auf den Namen „Let´s Have It“ getauft. Geboten wird eine rohe Performance alter Standards und unerwarteter Stücke – auf alle Fälle ein schöner Mehrwert für dieses Jubiläumsalbum, der auch zeigt, wie weit die DIAMOND DOGS live von den QUIREBOYS entfernt sind – ich ziehe meinen Hut für dieses geile Package!

WERTUNG:





Trackliste:

„Quitters & Complainers“

01. Runaway Romeo
02. Alright, Alright, Alright
03. Stop Barking Up The Wrong Tree
04. Broken
05. Silver Star Delight
06. Back To Babylon
07. Black Ribbons (For Magic)
08. Goodbye Troubled Soul
09. Rollercoaster
10. Out Of My Heart

„Let's Have It - Live in Bilbao“:

01. Bound To Ravage
02. Rush For Comfort
03. Every Little Crack
04. Goodbye Miss Jill
05. Autopilot
06. Lift It Up
07. Yesterday’s NYMPH
08. Honked
09. Raise A Holler
10. Brick Chase Bilbao (Jam)
11. Passing Through My Heart
12. Somebody Else’s Lord
13. On The Sunny Side Again
14. Sad To Say I’m Sorry
15. The Band
16. Wild Side Of Life
17. Don’t Turn Me Away
18. Not Guilty (Jam)

Stefan

IMPERIAL STATE ELECTRIC - Honk Machine

Band: Imperial State Electric
Album: Honk Machine
Spielzeit: 32:11 min.
Stilrichtung: Glam Rock, Classic Rock
Plattenfirma: Psychout Records
Veröffentlichung: 21.08.2015
Homepage:
www.facebook.com/imperialstateelectric

Qualität vor Quantität, das haben sich IMPERIAL STATE ELECTRIC für ihr neues Album „Honk Machine“ auf die Fahnen geschrieben. Nur gut 32 Minuten dauern die 11 Songs. Gerade mal gut die Hälfte der Songs überschreitet überhaupt die 3-Minutenmarke. Dabei will sich das schwedisch-neuseeländische Kollektiv an Meilensteinen wie „Rubber Soul“ von den BEATLES oder „Dressed To Kill“ von KISS messen lassen. Wenn da jemand mal den Mund nicht zu voll genommen hat. Zugegebenermaßen vergleicht Sänger, Gitarrist und Hauptsongschreiber Nicke Andersson (ehemals THE HELLACOPTERS, ENTOMBED etc.) aber lediglich die Albumlänge dieser Sternstunden der Rockmusik mit dem neuen Werk seiner eigenen Band. Und doch kommt dieser Vergleich nicht von ungefähr, denn sowohl die BEATLES als auch KISS der Siebziger oder ALICE COOPER, THE SWEET oder wie sie alle heißen, kommen durchaus als Inspirationsquelle für „Honk Machine“ in Frage.

Dabei startet man in „Let Me Throw My Life Away“ mit einem lockeren Riff, das auch den ewigen ROLLING STONES entsprungen sein könnte. Neu ist das natürlich nicht, Gleiches gilt auch für den Rest der Platte. Aber IMPERIAL STATE ELECTRIC rocken durchaus frisch und lustvoll drauf los. Das bringen sie bei Stücken wie dem fluffigen „Anywhere Loud“, dem punkigen „Guard Down“ oder dem prachtvollen Rocker „Another Armageddon“ auf den Punkt. Songs wie „All Over My Head“ oder „Maybe You´re Right“ allerdings sind einfach ganz frech geklaute BEATLES-Nummern. Dass die Jungs da nicht rot werden..., „Just Let Me Know“ ist eine Verneigung vor KISS und das abschließende „It Ain´t What You Think (It´s What You Do)“ zieht das Tempo noch einmal schön an.

Das 2012 erschienene Album „Pop War“ (Rezi HIER) kam in unserer Redaktion eher schlecht weg – in vielen anderen Gazetten wurde die Scheibe ordentlich gehypt. Das nunmehr vierte Studiowerk „Honk Machine“ kann da schon besser gefallen, wenngleich die Band immer noch arg am Tropf ihrer Vorbilder hängt. Aber das Quartett macht seine Sache gut und geht mit vollstem Elan an die Sache ran, deshalb ist auch eine leicht überdurchschnittliche Wertung drin. Eine durchaus kurzweilige Platte – und das ist nicht (nur) auf die Spielzeit bezogen.

WERTUNG:





Trackliste:

1. Let Me Throw My Life Away
2. Anywhere Loud
3. Guard Down
4. All Over My Head
5. Maybe You´re Right
6. Walk On By
7. Another Armageddon
8. Lost In Losing You
9. Just Let Me Know
10. Colder Down Here
11. It Ain´t What You Think (It´s What You Do)

Stefan

Montag, 6. Juli 2015

BITERS - Electric Blood

Band: Biters
Album: Electric Blood
Spielzeit: 35:07 min.
Stilrichtung: Hardrock, Classic Rock, Hair Metal
Plattenfirma: Earache Records
Veröffentlichung: 07.08.2015
Homepage: www.facebook.com/biters

Man nehme ein bisschen Siebziger-Rock, ein wenig Glam und Glitzer und ab und zu eine Prise Punkrock, und schon ist ein neues Gebräu fertig, das auf den Namen BITERS hört. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht, obwohl der Sound der Amis grob so umschrieben werden kann. Die Band aus Atlanta lässt in ihrem Sound auch Helden wie THIN LIZZY hochleben, in dem sie immer wieder feine Double-Leads in den Ring wirft oder sich mit lässigen Songstrukturen am Vermächtnis eines TOM PETTY reibt. Man könnte wohl noch eine Zeit mit Vergleichen weitermachen, gerecht wird es der Platte nur bedingt.

Mit „Electric Blood“ haben die BITERS nach ein paar Singles und vier EP´s ihr erstes Langspielalbum aufgenommen. Darauf zu finden eben dieser lockere Soundmix, der sich zwar an der Retrospektive der Rock´n Roll Welt orientiert, aber auch genau so in die heutige Zeit passt. Das zeigt nicht nur ein Song wie „Low Lives In Hi Definition“, dessen Text mit der hochglänzenden sowie sinnfreien TV-Unterhaltung der Gegenwart abrechnet. Aber auch offensichtlich in der Vergangenheit spielende Nummern wie „1975“ (ui, das Geburtsjahr des Rezensenten) oder die KISS-Hommage „Loose From The Noose“ sowie das an LIZZY angelehnte „Space Age Wasteland“ sind schöne Sommerhymnen. Dazu kommen weitere Highlights wie die erste Single „Restless Heart“ (ein Ohrwurm vor dem Herrn) oder der äußerst gelungene Titeltrack, das gefällige „Heart Fulla Rock´n Roll“ oder die Punkballade (!!!) „The Kids Ain´t Alright“.

Die BITERS machen auf ihrem Erstling „Electric Blood“ sehr vieles richtig und musizieren mit einer Lockerheit drauf los, die wohl nur eine Band an den Tag legen kann, die voll im Saft steht. Das tun die Amis aktuell ganz sicher und somit wird dieser Silberteller so manches Mal bei der heimischen Grillparty laufen, dafür ist „Electric Blood“ prädestiniert.

WERTUNG: 






Trackliste:

1. Restless Hearts
2. 1975
3. Heart Fulla Rock´n Roll
4. Dreams Don´t Die
5. Electric Blood
6. The Kids Ain´t Alright
7. Low Lives In Hi Definition
8. Time To Bleed
9. Loose From The Noose
10. Space Age Wasteland

Stefan

Montag, 22. Juni 2015

BAND OF BROTHERS - Band Of Brothers

Band: Band Of Brothers
Album: Band Of Brothers
Spielzeit: 37:32 min.
Stilrichtung: Hardrock, Melodic Rock
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: 01.06.2015
Homepage: www.facebook.com/bandbrothers.SE

Wenn man sich genau so benennt wie eine erfolgreiche Fernsehserie, muss man damit rechnen, schwer im Internet gefunden zu werden. Dass es aber so gar keine Infos zum Release dieses Tonträgers gibt, hätte ich dann doch nicht gedacht. Die Band hat keine eigene Homepage (myspace ist seit Jahren tot und offeriert seit ihrer Umstellung auf 2.0 nur noch nervige Werbung, der Inhalt selbst bleibt total im Hintergrund) und selbst auf der Facebook-Seite gibt es keine Biographie oder ähnliches. Na, dann halten wir uns an die Fakten der Musik und daran, dass mit Ulf (bass), Christer (vocals) und Jocke Nilsson (guitars) offensichtlich drei Brüder das Herzstück dieser Band sind. Sie wird komplettiert von Drummer Tobbe Jonsson.

Dieser hier vorliegende 10-Tracker brauchte summa summarum um die 10 Jahre für die Fertigstellung. Das nenne ich nicht gerade schreibwütig, was die Jungs hier an den Tag gelegt haben. Aber wenn das Ergebnis stimmt, ist doch alles in Butter, oder? Schuld daran ist laut eigenen Angaben auch die Tatsache, dass die Herrschaften verstreut über ganz Schweden wohnen. Im Grunde spielen BAND OF BROTHERS ganz altmodischen Melodic Rock, der seine Herkunft nicht verleugnen kann.

Den Anfang macht dabei das relativ harte „Day Job“, das erst nach mehrmaligem Hören so richtig zündet. Diesen Song haben die Schweden auch als erste Single auserkoren. Hier werden frühe WIG WAM zitiert aber nicht kopiert. Das extrem eingängige „Digital Ghost“ ist ein Killer, der viel mehr AOR und Melodic Rock beherbergt und einem einfach nicht mehr aus dem Kopf will. Ebenso das folgende „Turn Back Time“, das ein bisschen langsam schlängelt. Nach diesem genialen Doppelschlag haben es die Jungs nicht gerade leicht. Dennoch haben sie mit dem rockigen „Rush“, der tollen Ballade „Crystal Ball“ oder dem lockeren „Home (Airport Blues)“ einige weitere Hochkaräter verfasst. Dazwischen können die Schweden das hohe Level nicht ganz halten.

Dieses Debüt müsst Ihr gehört haben. Neben den beiden Highlights enthält es eine Menge guten Melodic Rock, der nicht immer sofort ins Ohr geht, sich mit der Zeit aber enorm entwickelt. Diese Brüder rocken gewaltig!

WERTUNG:






Trackliste:

1. Day Job
2. Digital Ghost
3. Turn Back Time
4. Rush
5. Crystal Ball
6. The Stuff That Dreams Are Made Of
7. Life In The City
8. Days Of Independence
9. Bend
10. Home (Airport Blues)

Stefan

Montag, 15. Juni 2015

BOHEMIAN LIFESTYLE - Madame Libertanah

Band: Bohemian Lifestyle
Album: Madame Libertanah
Spielzeit: 35:32 min.
Stilrichtung: Hardrock, Classic Rock
Plattenfirma: Attitude Records
Veröffentlichung: 20.05.2015
Homepage: www.bohemianlifestyle.net

Was werfen manche Bands mit Superlativen um sich? Oder sind es die Promotionfirmen? Manchmal auch beide – egal, das Image will aufpoliert werden und da schrecken gerade viele neue Combos nicht zurück, gehörig auf den Putz zu hauen und ordentlich zu übertreiben. Die schwedischen Rocker BOHEMIAN LIFESTYLE sind da anders. In ihrer Biographie schreiben sie in einer einfachen und trotzdem informativen aber mitnichten langweiligen Art über ihren bisherigen Weg. Dieser begann im Sommer 2004 in einem abgehalfterten Proberaum mit ein paar Jungs, die gerade mal wussten, wie herum sie ihre Instrumente halten mussten. Dreieinhalb Jahre später spielten Daniel Gustavsson (keyboard, vocals), Filip Conic (guitars), Richard Lindström (drums) und Pontus Wiberg (guitars) ihre ersten Gigs und erst im Oktober 2010 veröffentlichten sie ihre erste Single. Kein Wunder also, dass es fast weitere fünf Jahre gedauert hat, bis jetzt das erste Langspielalbum des Quartetts erscheint.

Der Begriff „boheme“ ist eine abwertende Bezeichnung für das fahrende Volk – so erklärt es der Wiki-Peter. Ein treffendes Wortspiel haben sich die vier Schweden also für ihren Bandnamen erdacht, auch wenn dieser erst mal ein bisschen befremdlich wirkt. Aber Musiker gehören ja auch irgendwie zum fahrenden Volk. Als Einflüsse nennen die Schweden Bands wie BLACK STONE CHERRY oder die BACKYARD BABIES, obwohl ich persönlich eher die großartigen BLACK CROWES favorisieren würde, wenn ich mich für einen Vergleich hinreißen lassen müsste. Aber BOHEMIAN LIFESTYLE klingen nicht wie eine Kopie, dafür haben sie viel zu viel Energie und – ja – Lebensfreude. Auch umschiffen die Jungs grassierende Retro-Seuche mit Genügend Abstand dazu im eigenen Sound. Zwar ist dieser tief in den 70ern verwurzelt und kokettiert ebenso gerne mit den 80ern, aber BOHEMIAN LIFESTLYE sind auch in den 2010ern zu Hause.

Mit einer rockigen Version alter SPIRITUAL BEGGARS beginnt der eröffnende Titeltrack, bevor der Refrain ein einfaches aber wirksames Melodiemonster auf den Hörer loslässt. „Fool´s Mask“ rockt straight vor sich hin, ohne abermals die Ohrwurmmelodien zu vergessen. Das lockere „A Brighter Day“ ist eine absolut radiotaugliche Nummer – Sommerfeeling garantiert. „Woodlands“ tönt um einiges heavier und schleppt sich mit Wüsten-Riffs über seine Spielzeit. Auch dieser Song ist intensiv und hat durchaus Potential. Am besten gefallen mir die Schweden neben den ersten drei Songs allerdings bei Stücken wie „Superstar“ oder dem abschließenden „Horror Show“. Auch „Coming Back Around“ oder das rhytmische „Third Longstreet Groove“ muss hier Erwähnung finden.

Elf Jahre hat es gedauert, bis aus Anfängern eine Band gereift ist, die ihr Potential erstmals über die volle Distanz zeigt. „Madame Libertanah“ ist sicher eines der stärksten Alben des Jahres und Anwärter auf den Titel „Debüt des Jahres“.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Libertanah
2. Fool´s Mask
3. A Brighter Day
4. Woodlands
5. Coming Back Around
6. Wake Up Call
7. Wayward Hearts
8. Superman
9. Third Longstreet Groove
10. Horror Show

Stefan

Mittwoch, 10. Juni 2015

PALACE OF THE KING - White Bird - Burn The Sky

Band: Palace Of The King
Album: White Bird - Burn The Sky
Spielzeit: 45:00 min
Stilrichtung: Classic / Hard Rock
Plattenfirma: Listenable Records
Veröffentlichung: 12.06.2015
Homepage: www.palaceofthekingmusic.com

„Rock wie er einmal war … Rock wie er sein soll.“ So vollmundig beschreibt das Label die Musik der Newcomer PALACE OF THE KING. Hierbei handelt es sich um eine noch junge Band aus Australien, die seit Ihrer Gründung vor 2 Jahren etwa 170 Live Shows gespielt, sowie diverse EPs / Vinyls veröffentlicht hat. Auf dem etwas sperrig betitelten Debüt „White Bird – Burn The Sky“ frönt das Quintett denn auch wie erwartet dem fuzzigen Hardrock der Led Zeppelin Schule, leicht psychedelischem Doom nach Sabbath Brauart und versucht sich in der Summe daran das Erbe der übergossen Vorbilder Black Crowes zu verwalten. Vorab sei gesagt, dass die Scheibe mehr als ordentlich produziert ist, allzu schrammelige Retro Sounds bewusst vermeidet und den durchaus schwierigen Spagat zwischen zutiefst klassischen Zutaten und zeitgemäßem Klang recht souverän meistert.

Das Problem von PALACE OF THE KING ist ganz einfach, dass es bereits unzählige andere Bands gibt, die diesen Stil nicht schlechter spielen. Originalität sucht man auf "White Bird - Burn The Sky" daher leider vergebens. Spielen können die Jungs allerdings, das steht ausser Frage. Und mit Tim Henwood hat man auch einen fähigen Sänger am Start, der hin und wieder an den leider viel zu früh verstorbenen Andrew Wood (Mother Love Bone) erinnert. Bei nach vorne stampfenden Tracks wie „Take Your Medicine“, „No Chance In Hell“ oder "Devil's Daughter" kommt dank der gut ausgearbeiteten Melodien Freude auf. Sobald die Band allerdings das Tempo raus nimmt („White Bird (Bring Your Armies Against Me)“, „Ain't Got Nobody To Blame But Myself“) wirds allzu beliebig und, ja, auch langweilig. Wenn die Band ihr durchaus vorhandenes Potential noch ein wenig mehr ausschöpft und es den Jungs gelingt sich eine noch unverkennbahrere eigene Note zu verpassen ist da bestimmt noch mehr drin. „White Bird - Burn The Sky“ weckt jedenfalls einige Erwartungen.

Classic Rock Fans sollten PALACE OF THE KING eine Chance geben. Die spielerischen Ansätze sind da, ebenso wie ein feines Gespür für zündende aber nie aufdringliche Hooklines. Da die Truppe aber keinen wirklichen Hit am Star hat und beim Blindtest nur schwer aus der Masse aus völlig gleich klingenden Combos herausstechen kann dürfte es fürs Erste mit dem grossen Erfolg aber noch schwierig werden.

WERTUNG:






Trackliste:

01. Take Your Medicine
02. No Chance In Hell
03. Another Thing Coming
04. Burn My Bridges
05. White Bird (Bring Your Armies Against Me)
06. Ain't Got Nobody To Blame But Myself
07. Leave Me Behind
08. Devil's Daughter
09. Get Back Up (Burn The Sky)
10. If It Ain't Broke

Mario

Montag, 8. Juni 2015

HOGJAW - Rise To The Mountains

Band: Hogjaw
Album: Rise To The Mountains
Spielzeit: 52:42 min.
Stilrichtung: Southern Rock, Country, Blues
Plattenfirma: Swampjawbeammusic
Veröffentlichung: 19.05.2015
Homepage: www.hogjawmusic.com

Erinnert sich noch jemand an Bob Ross? Jenen amerikanische Maler, zu dessen Sendung man prima einschlummern konnte, weil er eine sooo beruhigende Stimme hatte? OK, der Typ hatte es voll drauf und obwohl er die immergleichen Klamotten trug und sein Afro heute etwas antiquiert wirkt, war er doch ein sehr sympathisches Kerlchen. Genau dieser Bob Ross liefert das neue Cover Artwork der mittlerweile fünften Langspielplatte der Southern Rocker HOGJAW aus dem Wüstenstaat Arizona. Erst 2007 gegründet haben Gitarrist und Sänger JB Jones, Bassist Elvis D, Drummer Kwall und Gitarrist Kreg bereits vier Alben auf dem Kerbholz. Letzterer wurde letztes Jahr durch Jimmy Rose ersetzt, der jetzt die die Lead-Axt auf „Rise To The Mountains“ schwingt.

Genau diese Besetzung bringt jetzt zehn neue Songs auf den Weg, die sie zusammen mit Byron Filson in Phoenix bei Villain Recording aufgenommen haben. Dass Bands wie MOLLY HATCHET, LYNYRD SKYNYRD oder auch die ALLMANN BROTHERS wohl zu den Ikonen des Vierers zählen, wird auf den ersten Blick klar. Mit tollen Double-Leads beginnt der flotte Titeltrack ohne Umschweife und bringt den Sound der Amis sofort auf den Punkt. Etwas mehr Country-Rock begegnet einem beim folgenden „Leavin Out The Backside“. Wer bisher mit dem Fuß wippt, dem werden auch Stücke wie „Where Have You Gone“, „The Smoker“ oder „Second To None“ gefallen.

HOGJAW reihen sich nicht erst seit gestern ein in die Riege der neuen Southernbands, die authentisch und erstklassig musizieren. Dass diese Amis den Kommerz komplett außen vor lassen, sollte ihnen hoch angerechnet werden. Offensichtliche Ohrwürmer findet man auf „Rise To The Mountains“ allerdings nicht. Dafür ehrlichen Southern Rock, der höchst kompetent vorgetragen wird.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Rise To The Mountains
2. Leavin Out The Backside
3. Over Before You Know It
4. Where Have You Gone
5. I Will Remain
6. Fire, Fuel & Air
7. Another Day
8. Second To None
9. The Smoker
10. Grey Skies

Stefan

Montag, 2. März 2015

BLACK RAINBOWS - Hawkdope

Band: Black Rainbows
Album: Hawkdope
Spielzeit: 43:48 min.
Stilrichtung: Fuzz Rock, Rock´n Roll, Psychedelic Rock
Plattenfirma: Heavy Psych Sounds Records
Veröffentlichung: 14.03.2015
Homepage: www.theblackrainbows.com

Dass die Retro-Szene so manch überflüssiges Gewächs zum Vorschein gebracht hat, ist wohl kein Geheimnis. Aber so manches Pflänzchen ist schon eine Entdeckung wert. Pflänzchen wäre aber im Falle der BLACK RAINBOWS der falsche Ausdruck, denn mit ihrer kantigen Mischung aus Psychedelic, Stoner, Rock´n Roll und Fuzz Rock werden sie sicher den ein oder anderen Lavalampen-Fan auf ihre Seite ziehen können.

Neu ist der Sound auf dem neuen Album „Hawkdope“ natürlich nicht. Aber die schwarzen Regenbogen mischen darauf gekonnt ihre Einflüsse wie BLACK SABBATH, den ROLLING STONES oder MC5 mit Stoner-Ikonen wie FU MANCHU oder frühe MONSTER MAGNET. Und so ziehen dicke Nebelschwaden auf, als das genretypische Riff des Openers „The Prophet“ ertönt. Die Gitarren durch einen monstermäßigen Overdrive gejagt und bis zur Unkenntlichkeit verzerrt haben die Italiener ihren Axtsound auch auf dem folgenden „Wolf Eyes“, das auf einem lässigen Beat a´la ROLLING STONES basiert aber mit tonnenschweren Stoner-Riffs nach vorne brescht. Große Klasse! Der überlange Titeltrack schleppt sich teilweise etwas zäh über seine knapp 9 Minuten und kann nicht mehr mit der Frische der beiden ersten Songs mithalten.

Erwähnenswert sind aber definitiv Stücke wie das launige „Hypnotize My Soul With Rock´n Roll“ (bei dem ich mir live auf der Bühne wilde Jam-Sessions vorstellen kann), das leicht doomige „Killer Killer Fuzz“ oder das rockige „Jesus Judge“. Mit „The Cosmic Picker“ beschließt das Trio ihr Album auf ruhige und eindringliche Weise.

Sollte Quentin Tarrantino einmal einen Russ-Meyer-Gedächtnisfilm im Hinterkopf haben, wären die BLACK RAINBOWS ein heißer Anwärter für den Soundtrack dazu. „Hawkdope“ hat äußerst kompetent umgesetzten Stoner-Fuzz-Rock zu bieten, der vielleicht nicht einzigartig ist, dafür aber sehr innig und intensiv aus den Boxen quillt.

WERTUNG:






Trackliste:

1. The Prophet
2. Wolf Eyes
3. Hawkdope
4. No Fuel No Fun
5. Hypnotize My Soul With Rock´n Roll
6. Waiting For The Sun
7. Jesus Judge
8. Killer Killer Fuzz
9. The Cosmic Picker

Stefan

Montag, 23. Februar 2015

ROBERT JON & THE WRECK - Glory Bound

Band: Robert Jon & The Wreck
Album: Glory Bound
Spielzeit: 44:29 min.
Stilrichtung: Southern Rock, Country, Rock
Plattenfirma: Eigenvertrieb
Veröffentlichung: 24.02.2015
Homepage: www.robertjonandthewreck.com

Sie schießen wie Pilze aus dem feuchten Boden – immer mehr Retro Rock Bands überschwemmen den ohnehin schon gesättigten Markt. Da fällt es wirklich schwer, den Überblick zu behalten. Aber auch in der jüngsten Vergangenheit konnten sich immer wieder neue Rohdiamanten wie die BLUES PILLS, SLAM HOWIE AND THE RESERVEMEN oder BLACKBERRY SMOKE herauskristallisieren. Mit ROBERT JON & THE WRECK steht nun eine weitere Combo in den Startlöchern, die mit ihrer Mischung aus Retro, Country und Blues die Welt erobern möchte. Stilecht kommen diese fünf gestandenen Männer aus Kalifornien und bringen gleich die richtigen Gene mit. Nach zwei EP´s war die Zeit reif, mit dem erst 2013 gegründeten Unternehmen das Abenteuer Debütalbum zu starten.

Zwei Songs könnte man schon von den erwähnten Appetithappen „Rhythm On The Road“  und „Red Bull Sessions“. Auf „Glory Bound“ gibt es aber noch acht neue Stücke zu bewundern – den Anfang macht „The Devil Is Your Only Friend“, eine herrlich eingängige Nummer, die gleich die Essenz von ROBERT JON & THE WRECK zum Vorschein bringt: die Amis verstehen es, eine großartige Atmosphäre zu schaffen und können sowohl kräftig Riffen als auch wohldosierte Melodien mit Slidegitarren und Hammondorgel verfeinern. Da kommt das luftige „Blame It On The Whiskey“ als perfekter Gegenpol daher. Das ist New Country at it´s best!

Aber das Pulver der Sonnenstaatler ist noch lange nicht verschossen, denn schon der nächste Song „When I Die“ hat Hitqualitäten und damit nicht genug. Das gefühlvolle „Mary Anne“ kann sich genau so schnell in die Herzen der Fans spielen wie das griffige „Cold Night“, das rifflastige „Georgia Mud“ oder der ruhige Titeltrack.

„Glory Bound“ hat eine große Substanz – auch wenn die Konkurrenz erdrückend groß ist, speziell im überschwemmten Retro-/Country-/Bluesbereich. ROBERT JON & THE WRECK sind nicht einzigartig, machen aber einfach verdammt gute Musik mit Seele, die man hören muss. Starkes Debüt!

WERTUNG:






Trackliste:

1. The Devil Is Your Only Friend
2. Blame It On The Whiskey
3. When I Die
4. Mary Anne
5. Cold Night
6. Steppin´
7. Georgia Mud
8. Let Her Go
9. Glory Bound
10. Gypsy Of Love

Stefan

Montag, 2. Februar 2015

BLACKBERRY SMOKE - Holding All The Roses

Band: Blackberry Smoke
Album: Holding All The Roses
Spielzeit: 40:45 min.
Stilrichtung: Southern Rock, Country, Classic Rock
Plattenfirma: Earache Records
Veröffentlichung: 09.02.2015
Homepage: www.blackberrysmoke.com

Ihr letztes Album „The Whipoorwill“ (Rezi HIER) kam mit einiger Verspätung bei uns in Europa an, doch jetzt haben BLACKBERRY SMOKE in Earache Records einen geeigneten Partner für die weltweite Verbreitung ihrer Musik gefunden und so gibt es nun erstmals die Möglichkeit, das neue Album „Holding All The Roses“ überall auf der Welt gleichzeitig in Händen halten zu können. Die Retro-Rocker aus Atlanta/Georgia konnten mit ihrem nachträglichen Release von „The Whipoorwill“ in die Top 30 der britischen Charts stürmen, in Deutschland war die Reaktion eher verhalten. Und das obwohl BLACKBERRY SMOKE sehr guten Southern Rock mit Countryattitüde ablieferten. Vielleicht kann ihr neues Album „Holding All The Roses“ daran etwas ändern.

Darauf präsentieren sich Sänger und Gitarrist Charlie Starr, Gitarrist Paul Jackson, Keyboarder und Pianist Brandon Still und die Brüder Richard und Brit Turner (bass und drums) abermals in guter Verfassung. Insgesamt scheint der Rockanteil allerdings etwas geschrumpft zu sein und die Vorlieben für Countrymusik sowie für Gospel und Blues weiter in den Fokus gerutscht zu sein. Mit „Let Me Help You (Find The Door)“ rocken die Jungs aber in gewohnter Südstaaten-Manier los und drücken beim Titeltrack ein bisschen mehr auf die Tube. „Living In The Song“ ist ein relaxter Southern-Rocker während „Rock And Roll Again“ fast schon zum Schunkeln einlädt. Mit der Ballade „Woman In The Moon“ zeigen sich die Herren von ihrer softesten Seite und auch „Too High“ hat mit Rock absolut nichts zu tun sondern ist Countrymusik pur. Mehr Bock auf Rock haben BLACKBERRY SMOKE wieder bei „Wish In One Hand“ oder „Payback´s Bitch“. Dazwischen gibt es mit „Lay It All On Me“ und „No Way Back To Eden“ weitere Ausflüge in Richtung Country und mit dem abschließenden „Fire In The Hole“ noch einmal eine langsamere Rocknummer.

„Holding All The Roses“ atmet den Spirit des Southern Rock. Das ist soweit nichts Neues, aber auf dem neuen Album treten Country und Blues weiter aus dessen Schatten heraus und nehmen weit mehr Platz ein als zuvor. Das wird den Rockfan vielleicht nicht so wohlgesonnen stimmen, aber auch die vierte Scheibe von BLACKBERRY SMOKE hat noch genügend Rock´n Roll an Bord, um live sicher in den Arsch zu treten. Ob sich die Amis allerdings einen Gefallen damit getan haben, die Kick-Ass-Rocker MASSIVE als Anheizer mit auf Tour zu nehmen, muss erst noch geklärt werden.

„Holding All The Roses“ ist eine gute Platte, das steht außer Frage. Aber BLACKBERRY SMOKE schielen mit einigen Songs definitiv auf die Charts – zumindest in ihrer Heimat, wo Countrymusik immer noch eine große Sache ist. Ganz an den letzten Output können sie insgesamt allerdings nicht heranreichen.

WERTUNG:




Trackliste:

1. Let Me Help You (Find The Door)
2. Holding All The Roses
3. Living In The Song
4. Rock And Roll Again
5. Woman In The Moon
6. Too High
7. Wish In One Hand
8. Randolph County Farewell
9. Payback´s Bitch
10. Lay It All On Me
11. No Way Back To Eden
12. Fire In The Hole

Stefan

Montag, 8. Dezember 2014

ELECTRIC MARY - The Last Great Hope (EP)

Band: Electric Mary
Album: The Last Great Hope
Spielzeit: 20:43 min.
Stilrichtung: Hardrock, Classic Rock
Plattenfirma: Listenable Records
Veröffentlichung: 03.11.2014
Homepage: www.electricmary.com

Musik von einem Ort aus zu machen, der von vorne herein schon mal weiter weg ist vom Rest der Welt als alle anderen ist keine leichte Sache. Aber das ist das Schicksal jeder australischen Band, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt werden möchte. Dass sich neben den USA auch Europa als wichtiger Markt anbietet, dürfte kein Geheimnis sein. Auffallend viele Kapellen aus Down Under suchen sich in Europa ein zweites Standbein und auffallend viele sind es, die bei unseren Nachbarn in Frankreich Unterschlupf finden und so ein zweites Zuhause. Auch bei ELECTRIC MARY aus Melbourne ist das so. Nachdem sie für ihr zweites Album „Down To The Bone“ 2008 bei Bad Reputation angedockt haben, erschien ihr letzter Longplayer „III“ 2011 bei Listenable Records. Nach langen drei Jahren gibt es mit der EP „The Last Great Hope“ endlich neues Futter.

Neben Sänger Rusty gehören zum aktuellen Line-Up Pete Robinson (guitars), Alex Raunjak (bass), Brett Wood (guitars) und Davey Porter, der Neuzugang hinter der Schießbude. In dieser Besetzung sind die fünf neuen Songs entstanden, die zusammen mit Mike Tholen in den USA eingespielt wurden. Mit einem mächtigen Sound ausgestattet fahren ELECTRIC MARY hier ein dickes Brett auf, schon der Opener „Sweet Mary C“ ist ein direkter Schuss vor den Bug. Anfangs noch mit Slide-Gitarren a´la CINDERELLA verfeinert, startet der Song schon nach kurzer Zeit und entpuppt sich als räudige Rock´n Roll Nummer. Klasse! Ebenso im Uptempo kommt “Welcome To The Other Side” daher, allerdings riffen die Jungs hier um Längen schwerer. Dabei bleibt der Fünfer auch bei „Nicotine“, einer langsamen Heavy-Blues-Nummer, und wenn ich HEAVY Blues sage, meine ich auch Heavy Blues. Dass es noch schleppender geht, beweist das folgende Stück „Already Gone“, das mit Hendrix-scher Saitenkunst verfeinert wurde. Den Abschluss bildet mit „So Cruel“ ein weiterer intensiver Ausflug in den  Classic Rock.

Schon bei „III“ haben die Australier bewiesen dass sie ein herausragender Vertreter ihrer Zunft sind. Mit dieser kurzweiligen EP zementieren sie diesen Eindruck und wenn die Säfte für das neue Album, das schon im nächsten Jahr erscheinen soll, erneut ähnlich fließen, dürfen wir uns auf etwas gefasst machen.

WERTUNG:






Trackliste:

01. Sweet Mary C
02. Welcome To The Other Side
03. Nicotine
04. Already Gone
05. So Cruel

Stefan

Montag, 10. November 2014

SPIDERS - Shake Electric

Band: Spiders
Album: Shake Electric
Spielzeit: 34:42 min.
Stilrichtung: Retro Rock
Plattenfirma: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 03.11.2014
Homepage: www.wearespiders.com

Aus allen Löchern kriechen sie, die Retrobands. Und annähernd jede Plattenfirma ist bestrebt, einige von ihnen unter Vertrag zu nehmen. Dabei wird es nicht erst seit gestern unübersichtlich in der Szene, die natürlich nicht nur mit Überfliegern wie z.B. den BLUES PILLS gesegnet ist. Warum ich ausgerechnet dieses Beispiel bringe? Na, weil die SPIDERS aus Schweden ebenfalls von einer Sängerin angeführt werden. Ein wenig hinkt der Vergleich dann aber doch, denn die SPIDERS sehen sich eher in der Nähe von T-REX oder DAVID BOWIE. Dass die Stimme von Ann-Sofie Hoyles auch näher bei den Wilson-Schwestern (HEART) oder SUZIE QUATRO denn bei JANIS JOPLIN angesiedelt ist, lässt die Parallelen noch mehr schwinden. Aber so sind sie eben, die Schreiberlinge: müssen immer Vergleiche anführen. Im Grunde trifft es – wenn man bei Schubladen bleiben möchte – den Begriff Retro Rock aber doch ganz gut, nicht ohne einen Prise Glam mit in den Sound zu bringen. Auf jeden Fall aber ist der Sound der SPIDERS tief in den 70ern verwurzelt.

Bereits vor zwei Jahren brachten die Schweden ihr Debüt „Flashpoint“ heraus und konnten damit schon ein wenig Aufsehen erregen. Dieses wollen Ann-Sofie Hoyles (vocals), John Hoyles (guitars), Olle Griphammar (bass) und Ricard Harryson (drums) mit „Shake Electric“ ausbauen. Schon nach kurzer Zeit wird dem Hörer klar, dass die Combo weitestgehend vom ungestümen Punk des Erstlings Abstand nimmt und dafür mehr Glitter in die Songs gießt. Die erste Single und zugleich der erste Song des Albums „Mad Dog“ enthält ein markantes Riff und wird von Ann-Sofie Hoyles wunderbar vorgetragen. Ungleich melodiöser gibt man sich auf dem folgenden Titeltrack, der hitverdächtig aus den Boxen kommt. Herausragend sind auch Nummern wie das extrem gefühlvolle „Hard Times“, das fetzige „Control“ (hier werden Erinnerungen an das Debüt wach) oder das riffbetonte „Lonely Nights“.

Die Mischung stimmt. „Shake Electric“ ist abwechslungsreicher und eindringlicher als das Debüt. Dass dort auch schon talentierte Musiker am Werk waren soll auch gar nicht bestritten werden. Aber diese 10 Songs machen noch mehr Spaß und sind authentisch.

WERTUNG:




Trackliste:

01. Mad Dog
02. Shake Electric
03. Bleeding Heart
04. Only Your Skin
05. Lonely Nights
06. Back On The Streets
07. Control
08. Give Up The Fight
09. Hard Times
10. War Of The World

Stefan

Mittwoch, 23. Juli 2014

AMERICAN DOG - Neanderthal

Band: American Dog
Album: Neanderthal
Spielzeit: 46:50 min.
Stilrichtung: Hardrock
Plattenfirma: Bad Reputation
Veröffentlichung: 19.07.2014
Homepage: www.americandog.us

Zehn Tonträger haben AMERICAN DOG nun schon auf dem Kerbholz. Mit der neuen Platte katapultieren sie sich zurück in die Steinzeit, zumindest was den Titel angeht. Denn das gute Stück heißt „Neanderthal“. Zu den ganz Großen der Szene zählten AMERICAN DOG noch nie und dennoch haben sie mit Alben wie „Red, White, Black And Blue“ (2003), dem räudigen Live-Dreher „If You Want Bud“ oder dem Studio-Vorgänger „Poison Smile“ (2012) durchaus bewiesen, dass sie ihr Handwerk beherrschen und sich vor Kollegen wie NASHVILLE PUSSY nicht verstecken müssen – wenngleich diese mit ihrem letzten Album „Up The Dosage“ (Rezi HIER) ordentlich vorgelegt haben.

Dass die zum Quartett gewachsene Band aus Columbus/Ohio eine Fleisch-fressende Bestie ist, beweisen sie mit „Carnivore“ gleich zu Anfang des neuen Rundlings – natürlich auch textlich. Monoton, kraftvoll und mit der üblichen Prise Südstaaten-Rock riffen sich Michael Hannon (bass), Steve Theado (vocals, guitars), Michael „Hazard“ Harris (drums) und Neuzugang Vinnie Salvatore (guitars) auch durch das folgende „Who´s She Killing“. Das etwas lockerere „Dirty Fun“ atmet den Spirit von ZZ-TOP bevor mit „Sun Won´t Shine“ eine über sieben Minuten lange Nummer erklingt, die als Blues beginnt, danach zur Power-Nummer mutiert und zum Schluss gemächlich ausklingt. Einer der stärksten Ergüsse der Amis bisher.

Leider hat man mit dem Abschluss-Dreier auch etwas schwächeres Material an Bord, das äußerst partytaugliche „We Ain´t Gonna Not Get Drunk Tonight“ sowie der gelungene Titeltrack lassen aber etwas darüber hinwegsehen. Insgesamt ist „Neanderthal“ eines der besten, wenn nicht das beste Album aus dem Hause AMERICAN DOG, das auch schon mal doppelte Leadgitarren auffährt und schön abwechslungsreich gestaltet wurde. Für alle Southern- sowie Rotz-Rock-Freunde sicher ein Zungenschnalzer.

WERTUNG:






Trackliste:

01. Carnivore
02. Who´s She Killing
03. Dirty Fun
04. Sun Won´t Shine
05. Neanderthal
06. Stuck In The Mud
07. We Ain´t Gonna Not Get Drunk Tonight
08. Dog Eat Dog
09. Start To Bleed
10. Devil Inside

Stefan

Freitag, 6. Juni 2014

KADAVAR - Live In Antwerp

Band: Kadavar
Album: Live In Antwerp
Spielzeit: 72:32 min
Stilrichtung: Retro-Rock
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 06.06.2014
Homepage: www.facebook.com/KadavarOfficial

Die Berliner Rocker von KADAVAR sind mit ihrem 2013er Werk "Abra Kadavar" richtig durchgestartet. Eine ausgedehnte Tour sorgte für eine weitere Steigerung des Bekanntheitsgrades und von Seiten der Fans gab es immer wieder die Anfrage wann es den intensiven Livesound endlich auch für die heimische Anlage gäbe. Also Schnitt man 2013 einige Konzerte mit und der Auftritt in Antwerpen setzte sich letztendlich durch.

Wer die Band noch nicht kennt: KADAVAR stehen für 70er Jahre Rock, angereichtet mit psychodelischen Momenten, etwas Krautrock und jeder Menge mächtiger Riffs, die sich durch die Songs wälzen. Die Einflüsse reichen von BLACK SABBATH, PENTAGRAM über BLUE CHEER, DEEP PURPLE bis hin zu HAWKWIND.

"Unser Sound auf der Bühne ist ein anderer als der auf den Studioalben". Diese Aussage der Band ist mal keine leere Phrase, wie sie heutzutage so oft zu Promotionzwecken von den Bands getätigt werden. Die Produktion klingt nach einer absolut authentischen Liveaufnahme, ohne glattgebügelten und im Studio bearbeitetem Sound. Auch das Mischverhältnis zwischen Ansagen, Publikum und den Songs bringt den Hörer vom Sofa direkt in den Club. Die Songs sind dreckiger als auf den Studioalben, haben mehr Ecken und Kanten, was "Live In Antwerp" einen ganz eigenen Charme verleiht.

Ob man nach zwei Langspielern bereits ein Livealbum auf den Markt bringen muss ist sicher eine Frage die man sich stellen kann. In diesem Fall beantworte ich sie mit einem klaren "Ja" und kann eine Kaufempfehlung aussprechen, die Scheibe lohnt sich wirklich!

Zu bekommen ist "Live In Antwerp" als Doppel-LP oder als Beilage zur "Abra Kadavar" Special Edition, welche ebenfalls am 06.06. via Nuclear Blast erscheinen wird.

WERTUNG:






Trackliste:

01. All Our Thoughts
02. Living In Your Head
03. Doomsday Machine
04. Black Sun
05. Eye Of The Storm
06. Broken Wings
07. Come Back Life
08. Purple Sage
09. Creature Of The Demon
10. Goddess Of Dawn
11. Forgotten Past

Chris

Mittwoch, 4. Juni 2014

RIVAL SONS - Great Western Valkyrie

Band: Rival Sons
Album: Great Western Valkyrie
Spielzeit: 46 min
Stilrichtung: Classic Rock
Plattenfirma: Earache Records
Veröffentlichung: 06.06.2014
Homepage: www.rivalsons.com

Je öfter ich das mittlerweile fünfte Album der RIVAL SONS anhöre, desto begeisterter bin ich. 'Great Western Valkyrie' glänzt mit Abwechslungsreichtum, Rhythmen, die einen zum Tanzen bringen und der genialen Stimme von Sänger Jay Buchanan, der eine ordentliche Portion Soul mitbringt.
Etwas in die Länge ziehen sich die Songs zwar manchmal, aber trotzdem passt es zur Musik und zur Stimmung.
Mit dem Opener 'Electric Man' wird man erstmal in Fahrt gebracht, bevor es weiter geht mit 'Good Luck', welches mich stark an THE DOORS erinnert. 'Play The Fool' hat ein herausstechend hartes Riff und steht völlig im Gegensatz zu 'Good Things', bei dem ganz deutlich der oben genannte Soul herauskommt und mit seiner coolen Bassspur und dem bodenständigen Text einer meiner Favoriten ist. 'Belle Star' ist im Vergleich zu den anderen Songs relativ langweilig, aber dafür wird man mit dem ruhigen, sentimentalen 'Where I've Been' entschädigt. Wer ein Fan von BAD COMPANY ist, wird diesen Song lieben.
Wüsste man nicht, dass Sänger Jay Buchanan, Gitarrist Scott Holiday, Bassist Dave Beste und Schlagzeuger Michael Miley wahrscheinlich zu jung sind um schon in den 70ern bekannt gewesen zu sein, würde man wahrscheinlich denken es mit Kollegen von LED ZEPPELIN, JIMI HENDRIX und BAD COMPANY zu tun zu haben. Tatsächlich müssen sich die vier Herren aus Kalifornien hinter diesen Größen nicht verstecken, denn sie sind durchaus würdige Nachfolger.

Fazit: Für Freunde von stadionfähigem Classic Rock ist diese Band ein Volltreffer. Ob zum In-Der-Sonne-Liegen, Autofahren, Tanzen oder In-Herzschmerz-Versinken - für jede Gefühlslage ist 'Great Western Valkyrie' der richtige Soundtrack.

WERTUNG: 






Trackliste:

01. Electric Man
02. Good Luck
03. Secret
04. Play The Fool
05. Good Things
06. Open My Eyes
07. Rich And The Poor
08. Belle Star
09. Where I've Been
10. Destination On Course

Lotta Craze