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Mittwoch, 2. März 2016

LA CHINGA - Freewheelin´

Band: La Chinga
Album: Freewheelin´
Spielzeit: 44:05 min.
Stilrichtung: Rock´n Roll, Hardrock
Plattenfirma: Small Stone Records
Veröffentlichung: 25.03.2016
Homepage: www.facebook.com/La-Chinga

Das kanadische Trio LA CHINGA ist gefangen in den Sechzigern und frühen Siebzigern. Fast könnte man meinen, Carl Spackler (vocals, bass), Jay Solyom (drums) und Ben Yardley (guitars) sind eine Wiederentdeckung dieser Zeit, denn die Hingabe, mit der sie LED ZEPPELIN oder alte DEEP PURPLE mit Stonerrock und psychedelischen Zutaten und Fuzzrock mischen, ist fast sensationell. Erst 2012 gegründet, hat der Dreier bereits ein Jahr später sein selbstbetiteltes Debüt fabriziert. Gute zwei Jahre später stehen die Jungs mit „Freewheelin´“ erneut in der Türe. Brachten LA CHINGA ihren Erstling noch alleine unter die Leute, haben sie für ihr zweites Werk bei Small Stone Records eine Heimat gefunden. Aufgenommen haben die Kanadier die Platte selbst, Schlagzeuger Jay Solyom zeichnet sich für die Aufnahmen verantwortlich. Lediglich 2 Stücke wurden von Eric Neilson in den Afterlife Studios aufgenommen. Das Cover scheint zwar auf den ersten Blick nicht so ganz in den nebelschwangeren Sound des Trios zu passen, eine Zeitreise machen LA CHINGA aber definitiv.

Den Anfang macht mit „Gone Gypsy“ eine Nummer, die gut und gerne in das Beuteschema eines jeden LED ZEP-Anhängers passen sollte. Das Riff ist zwar arg an „Whole Lotta Love“ angelehnt, der Song an sich rockt aber um einiges mehr nach vorne. Richtig guter Einstieg hier. Um einiges unaufgeräumter geht es bei dem wilden „Snakehead“, dem ebenfalls ZEPPELIN-ähnlichen „White Witchy“ oder dem schon textlich nebulösen „Stoned Grease White Lightning“ zu. Nach recht ruhigen Klängen bei „Faded Angel“ - das übrigens Gitarrist Ben Yardley eingesungen hat – gibt es mit dem Akustiktrack „Mount Momma“ eine weitere willkommene Abwechslung. Das melodische „KIW“ und das abschließende 10-Minuten-Monster „Dawn Of Man“ solltet Ihr ebenfalls antesten.

Dass LA CHINGA das Vermächtnis von LED ZEPPELIN wahrscheinlich im FF intus haben, ist eigentlich der einzige Knackpunkt an „Freewheelin´“. Denn so manches Riff ist sehr nah verwandt mit den großen Hits des bleiernen Zeppelins. Aber LA CHINGA winden sich immer wieder gut aus der Affäre, denn daneben haben sie immer noch genügend andere Einfälle, um den Hörer zu begeistern.

WERTUNG: 






Trackliste:

1. Gone Gypsy
2. Snakehead
3. White Witchy
4. Stoned Grease White Lightning
5. Faded Angel
6. Mount Momma
7. KIW
8. Warcry
9. Right On
10. Dawn Of Man

Stefan

Montag, 8. Februar 2016

GIN LADY - Call The Nation

Band: Gin Lady
Album: Call The Nation
Spielzeit: 35:43 min.
Stilrichtung: Rock´n Roll
Plattenfirma: Bilocation Records
Veröffentlichung: 12.02.2016
Homepage: www.ginlady.com

Wirft man einen Blick auf das Cover Artwork dieser Platte, spaltet sich die Hörerschaft sicher in zwei Lager. Die einen, die beim Anblick eines solch altmodischen Apparats gleich an bessere Zeiten denken und die anderen, die vielleicht gar nicht mehr so genau mitgekriegt haben, dass Telefone früher mal ein Kabel hatten. Und was ist das für eine komische Scheibe in der Mitte? Aber egal, welche Altersklasse ein potentiell Interessierter hat, für Rockmusik der Siebziger muss er sich auf jeden Fall begeistern können. Denn GIN LADY gibt es zwar erst seit 2011, aber ihre Musik ist eine homogene Mischung aus den ROLLING STONES, HUMBLE PIE, den FACES und URIAH HEEP. Wenn man in der Zeitlinie etwas weiter nach rechts rückt, zeigt das neue Werk „Call The Nation“ durchaus auch Parallelen zu den BLACK CROWES auf.

Das Retro-Artwork ist also nicht nur ein optisches Gimmick, die Siebziger sind im gesamten Kosmos der Schweden Programm. Bereits 2012 veröffentlichte der Fünfer sein selbstbetiteltes Debüt, ein Jahr später die zweite Werkschau „Mother´s Ruin“, die gleich auf zwei Silberscheiben daherkam. Für ihr Drittwerk „Call The Nation“ haben sich Magnus Kärnebro (vocals), Joakim Karlsson (guitars), Anthon Johansson (bass) und Fredrik Normark (drums) nicht nur länger Zeit gelassen, gerade mal acht Stücke mit einer Laufzeit von zirka 35 Minuten befinden sich auf „Call The Nation“. Scheinbar haben die Schweden die Essenz ihrer Musik herausgepresst.

Schon beim Opener „I Can´t Change“ schüttelt die zum Quartett geschrumpfte Combo locker die Coolness der ROLLING STONES aus dem Ärmel. Könnten die alten Herren heute noch so unbekümmert und jugendlich klingen? Vielleicht werden wir es noch dieses Jahr herausfinden, wenn Mick Jagger und seine „Jungs“ ein neues Album auf den Markt werfen. Bis dahin erfreuen wir uns aber mindestens genau so am coolen Riffing dieser vier Schweden. Weitaus funkiger gehen GIN LADY beim Titeltrack zu Werke, nur um mit „Heavy Burden“ ein Stück einzuspielen, das in einen modernen Western passen würde.

Die Partynummer „Mexico Avenue“ ist nur eine Momentaufnahme, denn mit dem weitaus nachdenklicheren „Ain´t No Use“ schlagen GIN LADY schon wieder einen anderen Weg ein. Im weiteren Verlauf konzentrieren sich die Schweden dann aber auf bedächtig rockende Stücke („Down Memory Lane“ oder „I´m Coming Home“), unterbrochen von der tollen Ballade „Country Landslide“.

Sind GIN LADY nur eine weitere Retroband oder haben sie etwas Besonderes zu bieten? Eines ist auf jeden Fall sicher: sie können tolle Songs schreiben, die eine authentische Atmosphäre haben und nicht nur am Tropf der Vorbilder hängen. Natürlich wird es im Retro-Rock-Sektor nichts atemberaubend Neues mehr geben, und so machen GIN LADY mit „Call The Nation“ ganz einfach das, was sie am Besten können. Das machen sie aber mit großem Talent und mit viel Abwechslung.

WERTUNG: 





Trackliste:

1. I Can´t Change
2. Call The Nation
3. Heavy Burden
4. Mexico Avenue
5. Ain´t No Use
6. Down Memory Lane
7. Country Landslide
8. I´m Coming Home

Stefan

Montag, 1. Februar 2016

SIMO - Let Love Show The Way

Band: Simo
Album: Let Love Show The Way
Spielzeit: 67:40 min.
Stilrichtung: Heavy Blues, Retro Rock
Plattenfirma: Provogue
Veröffentlichung: 29.01.2016
Homepage: www.simo.fm

Nashville ist in Sachen Musikszene das neue Los Angeles. Das wird immer dann klar, wenn man sieht wie viele und vor allem wie viele namhafte Musiker sich dort niedergelassen haben. Ursprünglich eine Countryhochburg, mauserte sich die Hauptstadt Tennessee´s genreübergreifend zum Mekka unzähliger Künstler. Auch das Blues-Jam-Trio SIMO ist dort ansässig. Schon als Bandkopf und Namensgeber J.D. Simo vor zehn Jahren dorthin zog, war er in guter Gesellschaft. In selbiger befindet er sich mit seiner Band auf bei seinem neuen Label Provogue, das zur Mascot Label Group gehört. Größen wie JOE BONAMASSA, WALTER TROUT, BETH HART, LESLIE WEST oder WARREN HAYNES gehören zum Roster der niederländischen Plattenfirma.

Für ihr zweites Album „Let Love Show The Way“ haben sich SIMO also die perfekte Heimat gesucht. Denn auf „Let Love Show The Way“ setzen sie sich mit ihrem psychedelischen Bluesrock genau zwischen derartige Künstler. Auch optisch ganz klar von den Sixties inspiriert, ist bei SIMO aber bei Weitem nicht alles „Love and Peace“, sondern harte, verspielte Blueskost. Nun ist es ja nicht so, als wären SIMO seit Jahren die erste Kapelle, die sich diesem Sound verschrieben hat. Interessant ist „Let Love Show The Way“ dennoch für Liebhaber der alten Schule.

Aufgenommen im Big House in Macon, Georgia, dem ehemaligen Wohnsitz der ALLMAN BROTHERS BAND und jetzigem Museum, atmet die Platte diesen Spirit mit jeder gespielten Note. J.D. Simo wurde sogar die Ehre zuteil, Duane Allman´s ´57er Les Paul Gold Top spielen zu dürfen. SIMO bewahren sich auf gleich dreizehn Stücken eine große Nähe zur Liveperformance, Overdubs gibt es praktisch nicht. Reißbrettstrategen sind J.D. Simo (guitars, vocals), Elad Shapiro (bass) und Adam Abrashoff (drums) also keineswegs.

Die Platte startet mit „Stranger Blues“ furios, wenngleich die Nummer „nur“ eine Adaption des ELMORE JAMES Hits vergangener Tage ist. Nicht weniger fesselnd sind Stücke wie das funkige „Two Timin´ Woman“, das schleppende „Can´t Say Her Name“ oder das wuchtige, irgendwo zwischen Doom und Stoner Rock tendierende „I Lied“. Ihr seht schon, die ersten vier Songs auf „Let Love Show The Way“ punkten allesamt. Nicht weniger gelungen sind das fröhlich schwingende „Please“ oder „I´d Rather Die In Vain“ (JIMI HENDRIX oder sein „Sprössling“ JARED JAMES NICHOLS lassen grüßen).

Warum ausgerechnet der titelgebende Song zu den Bonustracks zählt, erschließt sich dennoch nur bedingt. Auch das folgende „Ain´t Doin´ Nothin´“ ist eine ellenlange Jamsession erster Güte. Abschließend gibt es mit „Please Be With Me“ eine zweite Coverversion, geschrieben von Scott Boyer, den bereits Größen wie ERIC CLAPTON oder DUANE ALLMAN interpretiert haben.

SIMO sind ein gutes Beispiel dafür, dass die ausufernde Retro-Welle doch für etwas gut ist. „Let Love Show The Way“ ist ein Album, das man sich gerne ins Regal stellen darf, auch und besonders wenn sich dort diverse Klassiker des Genres tummeln. Die Amis bieten fast 70 Minuten höchstgradig infizierende Rockmusik, die man allerdings nicht nur so im Vorbeigehen hören sollte.
Anhören könnt Ihr Euch das komplette Album übrigens HIER.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Stranger Blues
2. Two Timin´ Woman
3. Can´t Say Her Name
4. I Lied
5. Please
6. Long May You Sail
7. I´ll Always Be Around
8. Becky´s Last Occupation
9. I´d Rather Die In Vain
10. Today I´m Here
11. Let Love Show The Way (Bonus Track)
12. Ain´t Doin´ Nothin´ (Bonus Track)
13. Please Be With Me (Bonus Track)

Stefan

Mittwoch, 13. Januar 2016

THIRTEEN STARS - The White Raven

Band: Thirteen Stars
Album: The White Raven
Spielzeit: 35:07 min.
Stilrichtung: Retro Rock, Hardrock
Plattenfirma: Off Yer Rocka Records
Veröffentlichung: 11.12.2015
Homepage: www.facebook.com/thirteenstars

LED ZEPPELIN, QUEEN, THE ROLLING STONES, FREE und THE BEATLES – das sind wohl mit die häufigsten Einflüsse, wenn man die Pressetexte diverser Retro-Kapellen liest. Das gehört schon lange zum guten Ton, langweilt aber mit Verlaub nicht erst seit gestern. Auch bei den Briten THIRTEEN STARS ist das so, denn exakt in dieser Reihenfolge werden die Bands hier genannt. Aber nicht nur im Retrobereich ist die Lage schon lange unübersichtlich geworden. Jede noch so kleine Sparte des harten Rock wird von unzähligen Bands bevölkert und man wundert sich, dass das ganze Konstrukt noch nicht zusammengebrochen ist. Die einen kommen, die anderen gehen, so war das schon immer – und oft kristallisiert sich eine richtig gute Band erst bei ihrer Live-Performance heraus. Das hat der Schreiber dieser Zeilen in den letzten Jahren verstärkt zur Kenntnis nehmen müssen.

Und während in den oberen Sphären der eine geht (Lemmy – Gott hab ihn selig), kommen die anderen wieder ums Eck (GUNS´N ROSES mit ihrer Re-Union), um noch ein paar Dollars zu machen. Ob wohl die Trennung von Neu-Sänger Tony Harnell und SKID ROW wirklich ein Zufall war? Ein Schelm, der Böses dabei denkt...aber ich schweife ab. Ein paar Ebenen weiter unten bringt sich wieder einmal eine neue Band in Stellung. THIRTEEN STARS nennt sich der Zusammenschluss von Hoss Thompson (vocals, guitars), Jax Sedgwick (guitars), Andy Bates (drums) und Matthew Eden (bass) sowie Keyboarder Bennett Holland. Anfangs als Soloprojekt von Thompson gedacht, entwickelte sich bald schon eine Band daraus. Auch das soll es geben...

Seit der Gründung im August 2009 entstanden drei Alben in Eigenregie und dennoch ist „The White Raven“ das offizielle Debüt der Briten. Und das startet mit einer Mischung aus Country und Retro Rock. THIRTEEN STARS nennen das „Beautifully Numb“. „Circus Of Dreams“ kommt da schon eine Nummer härter daher. Mit cooler Hammond und hartem Riffing packen die Briten den Hammer aus. Läuft gut rein, das Ding! Weitaus glatter und polierter präsentiert sich „Tired Of Waiting“. Nach dem vor Roots-Rock nur so triefenden „Daddy´s Girl“ und dem verwinkelten „Fool´s Heart“ schleicht sich mit „If You´re Gonna Break My Heart“ ein waschechter Melodic Rock Song auf die Platte.

So weit, so gut, aber: beim Komponieren von „Breadline“ ist sicher zu viel von HELEN SCHNEIDER´s „Rock´n Roll Gypsy“ im Hintergrund gelaufen und der große Rest der Platte kann das bisher gebotene entweder nur noch wiederholen oder reicht erst gar nicht daran heran.

Freilich bietet „The White Raven“ gute Musik. Aber bei der riesigen Horde an Konkurrenten kann es gut sein, dass THIRTEEN STARS nicht so glänzen können wie sie gerne möchten. Und auch die Fans werden aufgrund der Übersättigung des Genres sicher erst drei mal hinhören, bevor sie sich von Songs wie „Circus Of Dreams“ oder „Daddy´s Girl“ einwickeln lassen. Schade eigentlich, aber irgendwie auch nachvollziehbar – uns Schreiberlingen geht es ja nicht anders.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Beautifully Numb
2. Circus Of Dreams
3. Tired Of Waiting
4. Daddy´s Girl
5. Fool´s Heart
6. If You´re Gonna Break My Heart
7. Breadline
8. Long Drop Short Stop
9. Right For Wrong
10. Rocka Bye Baby

Stefan

Montag, 11. Januar 2016

THE SILENT COMEDY - Friends Divide

Band: The Silent Comedy
Album: Friends Divide
Spielzeit: 21:37 min.
Stilrichtung: Retro Rock
Plattenfirma: Singleton Records
Veröffentlichung: 02.02.2016
Homepage: www.thesilentcomedy.com

Die US-amerikanische Rockszene ist gar nicht in so einem schlechten Zustand, wie allgemein vermutet wird. Doch neben den unzähligen NICKELBACK´s und FIVE FINGER DEATH PUNCH´s der dortigen Szene ist der Weg ein weiter, wenn man sich etwas Gehör verschaffen möchte. Zumindest, wenn der Widerhall bis nach Europa reichen soll. Doch es gibt seit geraumer Zeit eine Booking Agency namens Teenage Head Promotion, die viele tolle Retrobands aus den USA regelmäßig im deutschsprachigen Raum touren lässt und bei dieser Gelegenheit auch gleich deren aktuellste Veröffentlichung promotet. Perlen wie FEEDBACK REVIVAL (Rezi HIER), JARED JAMES NICHOLS (Rezi HIER) oder ROBERT JON & THE WRECK (Rezi HIER) haben auf diese Weise hierzulande schon Aufmerksamkeit bekommen. Mittlerweile hat sich intern zwar einiges geändert, aber ich bin mir sicher, dass die neue Mannschaft mit genau so viel Leidenschaft auf die Suche nach tollen Retrobands aus den USA gehen wird.

Eines der neuesten Themen ist eine Band namens THE SILENT COMEDY, deren EP „Friends Divide“ zwar in ihrer Heimat schon 2013 veröffentlicht wurde, im Februar 2016 aber erst hier offiziell zu kaufen sein wird. Die Band aus San Diego wurde gegründet von den Brüdern Jeremiah und Joshua Zimmerman, die in ihrer frühen Jugend eher auf Kapellen wie RAGE AGAINST THE MACHINE oder AT THE DRIVE-IN standen. Umso verwunderlicher ist der Sound, den sie hier auftischen. Eine Mischung aus Folk, Americana und Blues hat sich das Quartett auf die Fahnen geschrieben. Im Laufe ihres Lebens haben sie Bands wie THE QUEENS OF THE STONE AGE, DROPKICK MURPHYS aber auch DAVE MATTHEWS BAND lieben gelernt. Für letztere haben sie in den vergangenen Jahren schon des öfteren den Anheizer spielen dürfen. Ihre Musik wurde in Werbespots von VW, Cinemax oder in TV Serien wie „Hatfield & McCoys And The Men Who Built America“ verwendet.

Ihr erstes Album „Common Faults“ entstand bereits 2010, drei Jahre später spielten THE SILENT COMEDY diese sechs Stücke ein, die jetzt als „Friends Divide“ auch in Europa Halt macht. Mit lockerer Banjo-Untermalung und stoischem Rhythmus startet „God Neon“ in eine fürwahr kurzweilige Zeit. „Always Two“ würde auch perfekt auf ein aktuelles Album von MIKE TRAMP passen und das atmosphärisch schleppende „Light Of Day“ setzt weitere Akzente. Aber natürlich macht auch die zweite Hälfte dieser gut 21 Minuten Spaß. Das akustisch beginnende „Simple Thing“ entpuppt sich als richtige Gute-Laune Nummer und nimmt den Weg der letzten beiden Songs vorweg. Diese sind nämlich komplett akustisch gehalten.

Mit „Friends Divide“ geben THE SILENT COMEDY eine sehr starke Visitenkarte ab und verblüffen mit einer Selbstverständlichkeit, die oftmals nicht einmal etablierte Bands an den Tag legen können. Diese EP ist somit ein gefundenes Fressen für alle Retro-Fans, die auch mit Americana und Folk etwas anfangen können und nicht immer bratende Gitarren oder halsbrecherisch schnellen Doublebass haben müssen. Stark!

WERTUNG:






Trackliste:

1. God Neon
2. Always Two
3. Light Of Day
4. Simple Thing
5. You Don´t Know Me
6. Ghosts

Stefan

Freitag, 18. Dezember 2015

EUROPE - War of Kings (Special Edition Bonus DVD)

Band: Europe
Album: War Of Kings – Special Edition (+ Bonus DVD)ecial Edition)
Spielzeit: /
Stilrichtung: Hard Rock
Plattenfirma: Hell&Back Recordings/UDR
Veröffentlichung: 04.12.2015

Bereits am 4. Dezember haben EUROPE eine aufgefettete Version Ihres letzten Erfolgsalbums „War Of Kings“ in einer Special Edition unters Volk gebracht: die neue Ausgabe beinhaltet neben dem regulären, starken Album eine Bonus DVD mit dem kompletten Auftritt der Band bim diesjährigen Wecken Open Air.

In der Setlist stehen alte Klassiker der Hair-Metal Ära (wie z.B. die unkaputtbaren "Superstitious" oder "Let The Good Times Rock" von dem Sahnealbum „Out Of This World“, und natürlich "Rock The Night" und "The Final Countdown") völlig gleichberechtigt neben vielen Stücken neueren Datums ("Hole In My Pocket", "Praise You"), die mit einer wunderbaren Nonchalance und Selbstverständlichkeit runtergezockt werden, dass gar keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Jungs aufkommen. Und wer bei den letzten Alben noch Zweifel daran hatte, dass EUROPE die Metamorphose zur rootsigen, hard rockenden Retro-/Classic Rock Band final vollzogen haben, der wird mit diesem geilen Auftritt eines Besseren belehrt. Neben dem gewohnt saustarken John Norum an der Gitarre, der mittlerweile einen absolut eigenständigen, herrlich saftigen Sound gefunden hat, glänzt vor allem Frontmann Joey Tempest. Der Mann hat nichts von seinem Charisma eingebüsst und ist stimmlich immer noch in Bestform. Eine einfach ausgeleuchtete Bühne, kein Schnick-Schnack – nur eine blendend aufgelegte Band, ein Sack voll Klassiker und ein dankbares Publikum. Mehr brauchts nicht für eine gehaltvolles Konzert-Erlebnis. Live in Wacken und dank der vorliegenden DVD/Blu-Ray nun auch zu Hause. Die Videobilder sind unaufgeregt geschnitten und bringen ein tolles Live_feeling rüber - ebenso wie der schön trockene, direkte Sound der Aufnahmen.

Die „War Of Kings“ Special Edition gibt es in 3 Formaten: Ecolbook CD+DVD, Ecolbook BluRay+CD, Limited Edition Deluxe Package (mit „War Of Kings“ CD + DVD + BluRay und Fotobuch) sowie eine Audio Version des Wacken Aufrittes. Wer das Original Album also noch nicht im Regal stehen hat kriegt hier einen echten Mehrwert und zusätzlichen Kaufanreiz geboten. Gutes Package.

WERTUNG: ohne Wertung

Trackliste (Bonus DVD):

01. War of Kings (Live at WACKEN 2015)
02. Hole In My Pocket (Live at WACKEN 2015)
03. Superstitious (Live at WACKEN 2015)
04. Scream of Anger (Live at WACKEN 2015)
05. Last Look at Eden (Live at WACKEN 2015)
06. Second Day (Live at WACKEN 2015)
07. Firebox (Live at WACKEN 2015)
08. Sign of the Times (Live at WACKEN 2015)
09. Praise You (Live at WACKEN 2015)
10. The Beast (Live at WACKEN 2015)
11. Ready or Not (Live at WACKEN 2015)
12. Girl From Lebanon (Live at WACKEN 2015)
13. Nothin’ To Ya (Live at WACKEN 2015)
14. Let The Good Times Rock (Live at WACKEN 2015)
15. Rock The Night (Live at WACKEN 2015)
16. Days of Rock N Roll (Live at WACKEN 2015)
17. The Final Countdown (Live at WACKEN 2015)

Mario

Mittwoch, 9. Dezember 2015

THE GLORIA STORY - Greetings From Electric Wasteland

Band: The Gloria Story
Album: Greetings From Electric Wasteland
Spielzeit: 40:11 min.
Stilrichtung: Retro Rock
Plattenfirma: Wild Kingdom
Veröffentlichung: 27.11.2015
Homepage: www.thegloriastory.com

So, zum Ende des Jahres muss ich mich nun doch noch mit einer Veröffentlichung herumschlagen, die nicht unbedingt auf dem Plan stand. Bisher konnten mich die schwedischen Retro Rocker THE GLORIA STORY nicht unbedingt in ihren Bann ziehen. Deshalb umschiffte ich nach kurzem Testhören die Klippen gekonnt und gab das Thema kurzerhand an jemand anders ab. OK, zumindest beim Zweitling „Born To Lose“ (Rezi HIER). Das Debüt „Shades Of White“ von 2011 hatten wir bei meinem alten Magazin erst gar nicht erst besprochen. Was sich jetzt anhört wie ein persönlicher Kreuzzug gegen eine Band, sollte nicht missverstanden werden. Manchmal passt es einfach nicht, und bevor man sich dann tageland herumquält, wählt man doch lieber den einfacheren Weg, nicht wahr? Aber jetzt ist es soweit, und da muss ich genauso durch wie Ihr :-)

Aber kommen wir zuerst mal zu den Fakten: wie es sich für eine waschechte Retroband geziemt, haben THE GLORIA STORY natürlich mit analogem Equipment aufgenommen und es zusammen mit Otto Wellton aufgenommen. Seit dem letzten Album hat sich aber dann doch etwas gravierendes geändert: Joan Sallrot musste seinen Hut nehmen und so steht Filip Rapp als einziger Sänger alleine da. Als Ersatz für Sallrot wechselte Fredrik Axelsson vom Bass an die Gitarre und Jocke Rang kam als Viersaiter neu in die Band. Weiterhin hinter der Schießbude sitzt Henrik Siberg.

Mit „Beasst Of A Northern Light“ steht auch gleich die erste Singleauskopplung an erster Stelle des Albums. Und da haben wir es wieder: musikalisch haben die Jungs durchaus was drauf, aber der Gesang nervt schon nach wenigen Sekunden. Noch schlimmer wird es bei „Look Left, Walk Right“ oder „White Man Blues“. Auf der anderen Seite rocken Tracks wie „Roadtrip“ oder „Electric Wasteland“ amtlich und machen jede Menge Spaß.

Im Falle von THE GLORIA STORY gibt es ein großes Manko, und das ist die nervende Stimme von Filip Rapp. So leid es mir tut – ich würde gerne ein paar Weihnachtspunkte oben drauf packen. Die Sonne scheint, der Kaffee dampft vor sich hin und immerhin stehen wir kurz vor dem Fest der Liebe, aber ich kann mir auch „Greetings From Electric Wasteland“ nicht lange anhören. Erwartungen hatte ich erst gar keine, aber ich kann auch mit dem dritten regulären Langspieler der Schweden nicht viel anfangen.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Beast Of A Northern Light
2. Bang Bang (Pull The Trigger)
3. Look Left, Walk Right
4. White Man Blues
5. Cardinal Sin
6. Roadtrip
7. Electric Wasteland
8. Crusty Pie
9. Down To The Liquor Store
10. Hold Me Tonight
11. I Would Die (If You Wanted)
12. Thunderchild

Stefan

Montag, 16. November 2015

GIUDA - Speaks Evil

Band: Giuda
Album: Speaks Evil
Spielzeit: 34:03 min.
Stilrichtung: Rock´n Roll,
Plattenfirma: Burning Heart Records
Veröffentlichung: 20.11.2015
Homepage: www.giuda.net

Ausgerechnet aus Italien soll sie kommen – die neue Rock´n Glam-Revolution! Tatsächlich konnten die Rocker aus Rom mit ihren zwei Alben „Racey Roller“ (2010) und „Let´s Do It Again“ (2013) schon einiges an Lob und Anerkennung einheimsen und auch Live ist der Fünfer ein Hit, davon zeugen Auftritte auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival und den Turbojugend-Tagen. Und doch wollen sie mit Album Nummero drei noch höher hinaus. GIUDA (JEW-DA ausgesprochen) sind aus der Asche der bekannten Punkkapelle TAXI entstanden und erweitern ihr Repertoire um jede Menge Glam, Glitter, Power Pop und Rock´n Roll. Die Einflüsse sind so weitreichend wie ihr Sound.

Zocken die Römer ein Riff in bester AC/DC Manier (zu ihrer bluesgetränkten Anfangszeit), wendet sich das Blatt innerhalb kürzester Zeit zu einem Stakkatto-Refrain, an dem selbst die RAMONES ihre helle Freude gehabt hätten. Dazu ein bisschen T-REX, THE SWEET und SLADE und fertig ist zumindest ein Song. Die Rede ist vom Opener „Roll The Balls“. Und der ist gleich ein Hit! Messerscharf erkennen GIUDA, dass es da nicht einfach ist, konstant nachzulegen. „It Ain´t Easy“ folgt einem ganz anderen Grundrezept. Das ist auch eine Säule der Römer, die sie aus der Masse herausstechen lässt. Der Fünfer verfolgt nicht ein und den selben Ansatz für ein ganzes Album sondern summt wie ein Bienchen von Blüte zu Blüte und saugt das Beste heraus.

So kommen auch weitere Highlights wie das räudige „Mama Got The Blues“, das authentische „Working Class Man“ oder das launige „Bad Days Are Back“ (THE FACES meets STATUS QUO) ganz ungezwungen und mega lässig aus den Boxen. „Speaks Evil“ ist ein herrlich frisches Album, obwohl im Grunde nur Altbekanntes verwurstet wird. Aber die Mischung macht „Speaks Evil“ so einzigartig. Kurz und knackig rotzen die Italiener ihre zehn Songs herunter und haben dabei hörbar eine Menge Spaß. Den hat auch der Hörer – und zwar nicht zu knapp.

WERTUNG: 






Trackliste:

1. Roll The Balls
2. It Ain´t Easy
3. Bad Days Are Back
4. Mama Got The Blues
5. Watch Your Step (Do The „Do One“)
6. Working Class Man
7. You Can Do Everything
8. My Lu
9. Joolz
10. Bonehead Waltz

Stefan

STONE MACHINE - 10 Stones

Band: Stone Machine
Album: 10 Stones
Spielzeit: 49:07 min.
Stilrichtung: Retro Rock, Hardrock
Plattenfirma: Lions Pride Music
Veröffentlichung: 05.10.2015
Homepage: www.facebook.com/Stone-Machine 

STONE MACHINE sind in ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten von Amerika, bereits keine Unbekannten mehr. Den Sprung nach Europa indes hat der Fünfer mit seinen Tonträgern bisher noch nicht gemacht. Speziell für den europäischen Markt erscheint nun eine Best Of der bereits erschienenen drei Alben. Aber „10 Stones“ enthält auch zwei neue Stücke, die bis dato nicht erhältlich waren. Dennoch bleibt das Hauptaugenmerk natürlich auf die zwischen 2010 und 2014 veröffentlichten Scheiben.

Stilistisch bewegen sich Jason Mays (vocals), Dirk Blevins (guitars), Jamie Hall (bass), Jeremy Hall (drums) und Matt Parkins (guitars) irgendwo zwischen den beiden Spielwiesen eines gewissen Paul Rogers mit den klangvollen Namen THE FREE und BAD COMPANY, wobei Sänger Mays hier und da auch an Sammy Hagar erinnert. Das ist natürlich schon alles dagewesen, aber STONE MACHINE haben einen guten Groove, können großteils mit einem herrlich warmen Sound punkten und hauen schon mal das ein oder andere unwiderstehliche Riff raus.

Wie zum Beispiel bei „Dirty Sweet“, dessen stampfender Beat eine magische Wirkung erzielt. Aber auch der Opener „Use You Up“ - übrigens ein neuer Song – kann gefallen. Wer jetzt Blut geleckt hat, kann sich als weitere Anspieltipps das lockere „Better Days“ anhören, das wie eine lässige Version von „Sweet Home Alabama“ daherkommt, was die Gitarrenarbeit angeht. Oder das knackige „Long Road“, oder „Rock Ain´t Dead“, oder das langsame „Mr. Blues“. Ihr seht, STONE MACHINE haben genügend gutes Material angesammelt. Und das abschließende „Queen Without A Crown“ fällt nicht nur aufgrund seiner über 8-minütigen Spielzeit aus dem Rahmen.

STONE MACHINE mögen hierzulande vielleicht noch nicht viel gerissen haben, aber mit „10 Stones“ präsentieren sie einen richtig starken Querschnitt ihres bisherigen Schaffens. Für alle Retro-Fans interessant, die sich in aller Ruhe mit dieser Band anfreunden wollen. Und wenn das nächste Album durchgehend so stark gerät, kann sich die Konkurrenz schon mal warm anziehen.

WERTUNG: ohne Wertung

Trackliste:

1. Use You Up
2. Dirty Sweet
3. Down South Mama
4. Better Days
5. Long Road
6. Slow Down
7. Rock Ain´t Dead
8. Corn Bread
9. Mr. Blues
10. Queen Without A Crown

Stefan

Montag, 9. November 2015

DEVILLE - Make It Belong To Us

Band: Deville
Album: Make It Belong To Us
Spielzeit: 37:25 min.
Stilrichtung: Retro Rock, Stoner Rock
Plattenfirma: Fuzzorama
Veröffentlichung: 13.11.2015
Homepage: www.deville.nu

Das 2013 veröffentlichte „Hydra“ (Rezi HIER) markierte den bisherigen Höhepunkt in der Karriere der Schweden DEVILLE. Mit ihrer Mischung aus Stoner Rock, Doom und moderneren Sounds a´la SOUNDGARDEN trafen sie den Nerv der Zeit und den unseres damaligen Redaktionsmitglieds Danny. Jetzt steht die Band aus Malmö mit ihrem neuen Dreher „Make It Belong To Us“ in den Startlöchern und präsentierte diesen kürzlich auf einer gemeinsamen Tour mit MUSTASCH. Zum aktuellen Line-Up zählt neben den Gründungsmitgliedern Markus Akesson (bass), Markus Nilsson (drums) und Andreas Bengtsson (vocals, guitars) noch Andreas Wulkan (guitars), der 2013 zur Band gestoßen ist, kurz nachdem „Hydra“ veröffentlicht wurde.

Die Platte startet mit dem Titeltrack und mächtigem Heavy Riffing. Die Einflüsse sind – wie oben beschrieben – vielfältig, können aber durchaus als moderner Stoner Rock durchgehen. Das flotte „Chief“ kommt da schon um eine Nummer eingängiger daher, bevor „Out Of The Black“ das bisher gebotene irgendwie nur zusammenfasst. Und das ist auch das Problem, das ich mit dieser Scheibe habe: im Grunde ist der Sound der Schweden toll, aber innerhalb der guten halben Stunde, die „Make It Belong To Us“ dauert, wärmt der Vierer sein Rezept immer nur neu auf. Einzige Ausnahmen sind das wirklich sehr gute „Life In Decay“ oder das nebulöse „What Remains“, die zusammen mit dem befreit aufspielenden „Chief“ die Speerspitze dieser Songsammlung bilden.

Ehrlich gesagt konnte man aufgrund des Vorgängers einiges erwarten. Leider konnten DEVILLE diese Erwartungen nur bedingt erfüllen. Hätten wir hier nur eine EP mit vier Songs, könnte man durchaus frohlocken, so aber hat „Make It Belong To Us“ irgendwie einen faden Beigeschmack.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Make It Belong To Me
2. Chief
3. Out To The Black
4. Mind On Hold
5. Lever
6. Drive
7. Life In Decay
8. Dying To Feel
9. Reflecting Surface
10. What Remains

Stefan

Montag, 31. August 2015

THE WAKEWOODS - Get Outta My Way

Band: The Wakewoods
Album: Get Outta My Way
Spielzeit: 44:10 min.
Stilrichtung: Classic Rock, Hardrock
Plattenfirma: Jayfish Records
Veröffentlichung: 28.08.2015
Homepage: www.thewakewoods.de

Können deutsche Bands in Sachen Energie, Songwriting und Performance gegen die internationale Konkurrenz anstinken? Das kommt oftmals auf das Genre an, in dem sich die Kapellen aus unserer Heimat bewegen. Mit THE WAKEWOODS kommt ein junger Vertreter ins Spiel, der die Retro-Szene gehörig aufmischen will. Schon das Cover Artwork zum plakativ benannten Debüt „Get Outta My Way“ zeigt, dass die Jungs in den Sechzigern und Siebzigern zu Hause sind. Die Brüder Ingo (Gesang, Bass) und Helge Siara (Gitarre) sowie Tobias Rachuj (Gitarre) und Till Reuter (Schlagzeug) – das sind THE WAKEWOODS. Seit 2010 besteht die Band, ihre ersten Sporen hat sich das Quartett aus Berlin Rock City mit vielen Autritten und einigen selbstfinanzierten EP´s verdient. So muss das sein. Dass sämtliche Songs aus eigener Feder stammen gehört zum guten Ton. Aufgenommen haben die Jungs ihr Longplay-Debüt in Hannover unter den Fittichen von Jan Rubach.

Dass die Aussie-Rocker JET ihre Spuren in den Gehirnen der Siara-Brüder hinterlassen haben, merkt man zu jeder Zeit. Aber auch die HIVES haben sich das Interesse der Berliner geweckt. Dass damit natürlich auch deren Vorbilder wie die BEATLES oder die ROLLING STONES im Sound des Albums verankert sind, ist eine klare Sache. Mit dem Titeltrack rocken THE WAKEWOODS los – und das durchaus knackig. Das lässige „Coffee, Whiskey, Cigarettes“ packt aber noch eine Schippe Coolness oben drauf. So kann das weitergehen. Und tatsächlich: Nummern wie das rifflastige „Can You Feel It“ oder „Sooner Or Later“ machen einfach gute Laune und animieren durchaus dazu, das Tanzbein zu schwingen.

THE WAKEWOODS ist eine hungrige deutsche Newcomerband, die mit „Get Outta My Way“ ein kurzweiliges, energetisches Statement auf Plasitk gebannt hat. Einziges Manko ist die Eigenständigkeit, denn die fehlt hier komplett. An allen Ecken und Enden lassen ihre Vorbilder grüßen – die meisten Songs klingen wie Left-Overs bereits bekannter Platten. Das soll nicht heißen, dass die Berliner zweitklassige Songs schreiben, sondern lediglich unterstreichen wie sehr THE WAKEWOODS am Tropf ihrer Vorbilder hängen – noch. Bleibt zu hoffen, dass sich die Jungs in Zukunft ein bisschen mehr trauen und mehr eigene Elemente in ihren Sound packen. Dann haben wir einen vielversprechenden Vertreter der Retroszene aus deutschen Landen, der sicher auch international durchstarten kann.

WERTUNG:






Trackliste:

1. Get Outta My Way
2. Coffee, Whiskey, Cigarettes
3. Can´t You Feel It
4. Oh La La
5. Carolina
6. Sooner Or Later
7. Go Ahead
8. All The Plans We Had
9. What You Gonna Leave It For
10. Up And Gone Away
11. Why Do You Love This Man
12. Home

Stefan

Mittwoch, 26. August 2015

KADAVAR - Berlin

Band: Kadavar
Album: Berlin
Spielzeit: 52:20 min.
Stilrichtung: Retro-Rock
Plattenfirma: Nuclear Blasst
Veröffentlichung: 21.08.2015
Homepage: www.facebook.com/kadavarofficial

Berlin ist ohne Zweifel eine tolle Stadt! Und aus der zerrissenen Metropole wird eines Tages Eins werden – genau wie aus dem ganzen Land - hoffentlich. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht in der nächsten Generation. Aber das ist ein komplett anderes Thema. Unzählige Künstler haben dieser Stadt schon gehuldigt. Dazu gibt es sogar eine lange Liste bei Wikipedia. Auch die Retro-Rocker KADAVAR reihen sich nun in diese Aufzählung ein, und zwar gleich mit einem ganzen Album. Denn Christoph „Lupus“ Lindemann (Gesang, Gitarre), Simon „Dragon“ Bouteloup (Bass) und Christoph „Tiger“ Bartelt (Schlagzeug) haben ihr drittes Langspielwerk ganz einfach nach ihrer mittlerweile gemeinsamen Heimat benannt. Dabei haben die Wüstensöhne aus der Hauptstadt nicht wirklich viel Zeit dort verbracht in der letzten Zeit. Ausgedehnte Tourneen auf der ganzen Welt (mit „Live In Antwerp“ gibt es dazu ein adäquates Tondokument – Rezi HIER http://rock-garage-magazine.blogspot.de/2014/06/kadavar-live-in-antwerp.html) haben für das Trio die Zeit zwischen dem Vorgängeralbum „Abra Kadavar“ (Rezi HIER http://rock-garage-magazine.blogspot.de/2013/05/kadaver-abra-kadaver.html) und dem neuen Dreher extrem verkürzt. Auf ihren Reisen durch die verschiedensten Länder der Erde haben sie nicht nur Schönes erlebt, was sich letztendlich aber als Zerreißprobe herausgestellt hat und die Band noch weiter zusammengeschweißt hat. Über 200 Konzerte haben KADAVAR in den letzten eineinhalb Jahren gegeben, da war es selbstverständlich, dass auch „Berlin“ wieder live eingespielt wird. Analog versteht sich.

Braucht die Welt eine weitere Retro-Band hat sich unser Chris in seiner Rezension zu „Abra Kadavar“ gefragt. Eine Frage, die er zwar im Falle dieses Trios mit einem klaren „Ja“ beantworten konnte, ich greife diese Frage gut zwei Jahre später aber gerne noch einmal auf. Der Retro-Markt war damals schon überfüllt, mittlerweile ist er kurz vor dem Zerplatzen – zumindest gefühlt. Da ist es scheinbar ein Vorteil, dass KADAVAR bereits seit einigen Jahren unterwegs sind. Auf „Berlin“ zelebrieren sie ihren Mix aus BLACK SABBATH und anderen Siebziger-Helden erneut sehr gekonnt. Natürlich standen auch andere Wüstenrocker der neueren Generation wie frühe MONSTER MAGNET Pate. Aber das ist mittlerweile ein alter Hut und traf auch schon für die ersten beiden Alben zu.

Laut Aussage der Band hat man sich dieses Mal noch weiter in Songwriting und Arrangements vergraben und hat weitaus mehr Zeit im Studio verbracht als je zuvor. Im Grunde ist „Berlin“ dennoch ein spontanes, herrlich altmodisches aber auch ambitioniertes Album geworden. Speziell am Anfang können KADAVAR mit „Lord Of The Sky“, „Last Living Dinosaur“ oder „Thousand Miles Away From Home“ extrem stark loslegen. Später kommen Songs wie das filigrane „The Old Man“ oder eine obskure Coverversion von „Reich der Träume“ besonders gut. Als Bonus Track benannt stellt die Adaption dieses Stücks der deutschen Sängerin/Schauspielerin/Model NICO für viele Hardrocker sicher ein zweischneidiges Schwert dar. NICO war Frontfrau bei THE VELVET UNDERGROUND, ursprünglich erschien mit „Realms Of Dreams“ eine englische Version. KADAVAR gelingt dennoch ein Spagat zwischen den beiden Welten.

Auch im Fazit schließe ich mich meinem „Vorredner“ Chris an: im Falle von KADAVAR braucht die Welt eine weitere Retro-Kapelle. „Berlin“ ist ein starkes Statement – stark genug um gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen und leidenschaftlich genug, um die Szene zu beindrucken.

WERTUNG: 






Trackliste:

1. Lord Of The Sky
2. Last Living Dinosaur
3. Thousand Miles Away From Home
4. Filthy Illusion
5. Pale Blue Eyes
6. Stolen Dreams
7. The Old Man
8. Spanish Wild Rose
9. See The World With Your Own Eyes
10. Circles In My Mind
11. Into The Night
12. Reich der Träume (Bonus Track)

Stefan