Freitag, 15. Juli 2016

BLACKLANDS - Peaceful Shores

Band: Blacklands
Album: Peaceful Shores
Spielzeit: 77:54 min
Stilrichtung: AOR / Melodic Rock / Progressive Rock
Plattenfirma: Blacklands Music
Veröffentlichung: 31.05.2016

Mit "Peaceful Shores" legen die Melodic Prog Rocker BLACKLANDS ihr zweites Album vor. Das Debüt, vom Frank damals überschwenglich abgefeiert, liegt nun 3 Jahre zurück und seitdem hat die Band nicht nur eine Menge neues Material geschrieben, sondern auch eine nicht unerhebliche personelle Umbesetzung vollzogen: am Mikro steht nun die "Neue" Tanja Magolei-Schüpper, die den Job quasi während der Produktion von "Peaceful Shores" von Ihrer Vorgängerin übernommen hat und das bereits so gut wie komplett fertige Album nochmals neu eingesungen hat. Keine leichte Aufgabe. Da ich das Debüt nicht kenne, gehe ich jetzt mal relativ unbedarft an die neue Scheibe heran, die dank eines zwar etwas kitschigen, aber doch stimmigen Artworks schonmal optisch was hermacht.

Haken haben es mit Ihrem letzten Meisterwerk nochmals deutlich gemacht: die melodischen 80er und frühen 90er sind wieder zurück - auch in Genres, bei denen man es nicht unbedingt erwarten würde. Allerorts werden die damals aktuellen Synthie Sounds und Arrangement-Tricks wiederbelebt und, mal mehr mal weniger gekonnt, in moderne Produktionen integriert. Bei BLACKLANDS scheint mir die Herangehensweise ein wenig anders gelagert zu sein, denn das Material auf "Peaceful Shores" klingt ein wenig wie aus der Zeit gefallen: Marillion-Gedächtnis Gitarrensoli, Genesis-Harmonien, Dream Theater Sounds und Riffing (zur Awake Phase) und ganz dezente moderne Anleihen reihen sich aneinander. Während der Opener "Still Bleeding" (mit Gast-Sänger Marcel Römer) ziemlich exakt nach Evanescene-Schema arrangiert ist und recht hart nach vorne rockt, wird mit den anschliessenden "Alone Again" und "The River" erstmal das Gas rausgenommen. Soweit allerdings, dass die Scheibe relativ früh die Puste auszugehen droht. Man merkt Sängerin Magolei-Schüpper in diesen ruhigen Momenten die Unsicherheit an, manche Passage kommt nicht ganz selbstbewusst rüber. Da die Kompositionen an sich auch nicht wirklich Herausragendes zu bieten haben, ist man froh wenn ab dem flotten, mit einem eingängigen Refrain ausgestatteten "Drown In Darkness" wieder mehr Energie in die Sache kommt. Aufhorchen lassen vor allem die Momente, in denen die Band dem Spielspass einfach mal freien Lauf lässt und nicht zu verkopft an die Sache heran geht: sowohl das Dream Theater beeinflusste "Distant Warning" mit seinem packenden Groove sowie der epische Track "Grand Circles" haben starke Momente – oft durch das tolle Gitarrenspiel von Michael Stockschläger veredelt. Das auf Kommerz gebürstete "Like Tears In Your Eyes" (mit den Gast Sängern Manos Fatsis und Christian Boche) kommt dagegen etwas hüftsteif um die Ecke und auch diesmal ist die Entscheidung einen über 16-minütigen Longtrack ans Ende der Scheibe zu setzen nicht die beste. Warum es relativ unbekannte Bands immer wieder für nötig halten die Kapazität einer CD bis aufs Äusserste auszureitzen, auch wenn es das Songmaterial eigentlich nicht hergibt, ist mir ein Rätsel. "Winter Skies" (mit Gast Sänger Markus Brand) ist ein abwechslungsreicher, starker Track, aber er verpufft am Ende eines viel zu langen Albums.

"Peaceful Shores" hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck: der weitestgehend gute Sound der Scheibe (von ein paar Ausrutschern mal abgesehen), die durchweg tolle Gitarrenarbeit und die atmosphärische Dichte der Scheibe sollten Fans von melodischem Prog Rock definitiv ansprechen. Da machen die Jungs und das Mädel so einiges richtig. Dem gegenüber steht die nicht immer zur Gänze überzeugende Gesangsarbeit und das zumeist biedere, mutlose Songwriting, das sich viel zu oft auf bewährte Konzepte beschränkt, die man leider schon oft besser gehört hat. Und eine Spielzeit von beinahe 80 Minuten ist einfach too much. Hätte die Band hier konsequent den Rotstift angesetzt, wäre unterm Strich mit Sicherheit ein kompakteres, effektiveres Werk entstanden. Handwerklich sowie kompositorisch sind BLACKLANDS zwar im Moment noch im Mittelfeld unterwegs. Mit dem Mut zur Selbstkritik ist da aber beim nächsten mal bestimmt noch mehr drin.

WERTUNG





Trackliste:

01. Still Bleeding
02. Alone Again
03. The River
04. Drown In Darkness
05. Ballad Of A Burning Witch
06. Distant Warning
07. Grand Circles
08. Peaceful Shores
09. T.I.M.E.
10. Like Tears In Your Eyes
11. Winter Skies


Mario

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