Montag, 14. Mai 2012

EUROPE - Bag Of Bones

Band: Europe
Album: Bag Of Bones
Plattenfirma: Ear Music/Edel
Veröffentlichung: 27.04.2012
Homepage: www.europetheband.com

EUROPE sind wohl eines der besten Beispiele, wie sich eine Band nach einer erfolgreichen Karriere in den 80gern noch einmal komplett neu in die Herzen der Fans spielen kann, und das mit einer praktisch völlig anderen musikalischen Ausrichtung. Denn die ersten beiden Alben nach der Re-Union 2004 („Start From The Dark“ und „Secret Society“) waren tolle Werke, die aber die meisten alten Fans aufgrund ihrer modernen Ausrichtung vergrault haben sollten. Nach der Pleite des Labels Santuary Records, bei dem sie unter Vertrag standen, orientierte man sich nicht nur in dieser Richtung neu, denn das 2009er  Opus „Last Look At Eden“ paarte neue und alte EUROPE Trademarks und reichterte den Sound mit Blues bzw. 70ger Einflüssen an. Das bis dato beste Album seit der neuen Zeitrechnung im Hause EUROPE.

Was erwartet uns auf ihrem mittlerweile neunten Studioalbum, das auf den Namen „Bag Of Bones“ getauft wurde? Die Schweden sind noch tiefer in den Blues getaucht und beschwören die Anfänge von WHITESNAKE herauf, klingen aber nach wie vor nach EUROPE. Das könnte man als grobe Umschreibung zusammenfassen. Somit lässt sich feststellen, dass die erste Single-Auskopplung mit dem Titel „Not Supposed To Sing The Blues“ gar nicht so an den Haaren herbei gezogen ist. Aber die 10 Stücke plus Instrumental sind viel mehr. Denn sie präsentieren eine Band, die so viel Spaß an der Musik hat, und es auch zeigt.

Zu Beginn steht „Riches To Rags“ mit seinen schweren Riffs, die schon fast an Stonerbands erinnern. Die schon erwähnte Single „Not Supposed To Sing The Blues“ folgt gleich darauf, eins ist sofort klar: diese Nummer ist ein Hit. Der mitreißende Beat, die unvergleichliche Atmosphäre und ein Refrain zum Niederknien. „Firebox“ entführt den Hörer noch tiefer in die Welt von „Bag Of Bones“, bevor der Titeltrack fast alles Gehörte in den Schatten stellt. Ob das auch ein Verdienst des Gastmusikers JOE BONAMASSA ist, seines Zeichens Blues-Superstar der neuen Generation, kann jeder für sich entscheiden. Fest steht, dass die Schweden bis hierhin alles zu 100% richtig gemacht haben, und auch nach einem wirklich sehr starken Vorgänger wie „Last Look At Eden“ hätte ich eine solche Entwicklung nicht für möglich gehalten. Nach einem kurzen Instrumental („Requiem“) folgt „My Woman My Friend“, ein Stück, das nicht ganz an den bärenstarken Eingangs-Vierer anknüpfen kann. Auch „Demon Head“ kann mich nicht so mitreißen. Das ruhige „Drink And A Smile“ bügelt das aber gleich wieder aus – der Song hat eine ganz besondere Stimmung, einfach toll. Das rockige „Doghouse“ dürfte wieder das richtige Futter für alle Rocker sein und „Mercy You Mercy Me“ fällt leider wieder etwas ab.

Zum eigentlich letzten Stück auf „Bag Of Bones“ gibt es noch eine kleine Geschichte. Denn die Ballade „Bring It All Home“ soll nach dem Willen der Band das absolut letzte Lied sein, das sie jemals spielen werden, wenn die Zeit reif ist, für immer abzutreten. Klingt das nach einem Schlußstrich? Wenn man nach der Musik auf „Bag Of Bones“ geht, absolut nicht, denn EUROPE sind so quietschfidel wie nie und klingen zufrieden mit sich. Und wer immer noch nicht genug hat, der sollte sich die Japan-Version der Platte besorgen, denn der Bonustrack „Beautiful Desaster“ ist ein Gute-Laune-Rocker vom allerfeinsten. Schade, dass er nicht auf der regulären Scheibe gelandet ist, dieser Song hätte die Klasse noch einmal um ein kleines Stück gehoben.

Aber keine Bange, es bleiben noch 9 fette Punkte für dieses von Kevin Shirley (IRON MAIDEN, JOURNEY u.v.m.) perfekt produzierte Werk, das Laune auf die kommende Tour macht, wo mit Sicherheit auch die alten Fans ihre Hits zu Hören bekommen werden. Und bei der Gelegenheit können sie sich gleich von der Klasse von „Bag Of Bones“ überzeugen.

WERTUNG:




Trackliste:

1.Riches To Rags
2.Not Supposed To Sing The Blues
3.Firebox
4.Bag Of Bones
5.Requiem
6.My Woman My Friend
7.Demon Head
8.Drink And A Smile
9.Doghouse
10.Mercy You Mercy Me
11.Bring It All Home 

Stefan

Kommentare:

  1. Also davon abgesehen, dass Last Look of Eden das bis dato schlechteste Album seit der Reunion war (Bag of Bones ist noch grausiger - Geschmäcker sind ja aber verschieden), muss doch spätestens bei der Behauptung "...klingen aber nach wie vor nach EUROPE..." die Kompetenz des Schreibers ernsthaft angezweifelt werden. Was dieses neue Machwerk auch nur im Entferntesten mit dem zu tun hat, womit man allgemein die Band Europe verbindet, würde mich einmal allen Ernstes interessieren. Und jetzt kommt mir bitte nicht mit der Stimme von Tempest...

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  2. Tja, Du sagst es schon...Geschmäcker sind verschieden. Ich hatte auch meine Anlaufschwierigkeiten in den Anfangszeiten der neuen Zeitrechnung, aber wenn Du die Band auch einmal live gesehen hast, dann weißt Du, warum Europe auch heute noch nach Europe klingen. Natürlich macht die Band auf ihrem neuen Album etwas anderes als in den 80gern, das ist ja schon ewig so, aber die Art, Songs zu schreiben, ist immer noch gleich geblieben.

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  3. Also Stefan, das meinst Du doch jetzt nicht ernst!? Die Art, Songs zu schreiben, ist ja gerade komplett anders. Auch wenn ich nicht der Nabel der Welt bin - mit The Final Countdown fing damals alles an bei mir, ich vergöttere bis zur Prisoners alles Scheiben, das Debüt mit Abstrichen. Mit der Bag of Bones ist die Band für mich nun aber gestorben. Damals und selbst auf der Start from the Dark hatten die Songs noch Melodien, die sich ins Ohr gefressen haben. Abgesehen vom radikalen Stilwechsel sind die Hooks zum Niederknien komplett verschwunden aus den Songs. Und das nennst Du gleiches Songwriting? Ich bitte Dich! Ich hab Europe auf allen Touren seit der Reunion gesehen, und klar, wenn sie die alten Sachen spielen, klingen sie noch nach Europe, ist ja auch logisch. Aber alles bis auf den Titeltrack von der Last Look at Eden hat doch schon nix mehr mit Europe zu tun gehabt. Wiedererkennungswert hat nur Tempests Stimme, der Rest ist komplett Classic Rock! Wer's mag - bitte! Mit EUROPE, wie ich und viele andere sie liebten, hat der Stil und auch das Songwriting 0,0 mehr zu tun! Das kannst Du doch nicht ernsthaft behaupten!?
    VG Carsten

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  4. Hi Carsten!
    Da sind wir leider zweierlei Meinung, das lässt sich in diesem Fall nicht ändern :-)
    Aber ich finde es wirklich toll, dass Du Dich hier so einbringst und uns zeigst, dass unsere Leser auch eine eigene Meinung haben, die uns im Übrigen sehr wichtig ist. Es war aber schon immer so, dass es viele unterschiedliche Sichtweisen gibt - dazu musst Du Dir nur die vielen unterschiedlichen Rezis (nicht nur zur aktuellen EUROPE-Scheibe) ansehen. Musik ist und bleibt Geschmackssache.
    Was mir aber in Deinen Kommentaren aufgefallen ist: Du schreibst sehr fundiert und leidenschaftlich, das gefällt mir. Ich bin jetzt mal ganz dreist: hast Du Dir schon mal überlegt, nicht selbst solche Besprechungen zu schreiben? Wie Du sicherlich weißt, sind wir immer noch auf der Suche nach Verstärkung, und ich bin davon überzeugt, dass Du das Zeug dazu hättest :-)

    Das ist nur so ein Gedanke, und ich bin jetzt sicherlich mit der Tür ins Haus gefallen - bei der Gelegenheit ließe sich bestimmt auch das Thema Europe noch weiter ausdiskutieren :-)

    Überleg Dir das mal, wäre echt toll!

    Viele Grüsse
    Stefan

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